Kapelle St. Leonhard und Reiterprozession in Dettingen-Wallhausen

Der Heilige Leonhard ist ein vielfältiger Schutzheiliger: Ursprünglich Patron der Gefangenen und der Kranken, wird er auch zum Schutz des Viehs – insbesondere der Pferde – sowie der Fuhrleute und Reiter angerufen. Am 6. November ist sein Gedenktag. Am Sonntag darauf hat Dettingen-Wallhausen den Schutzpatron, dem eine Kapelle geweiht ist, in besonderer Weise in einer festlichen Eucharistie und Reiterprozession gefeiert. Leonhard, um 500 n. Chr. geboren, war zunächst Einsiedler und dann Abt des Klosters Noblac bei Limoges/Frankreich. Nach seinem Tod im Jahr 570 n. Chr. wurde er wegen seines heiligmäßigen Lebens bald zu einem Volksheiligen und im Gebet angerufen als Helfer der Armen, Kranken und Gefangenen. Er wurde auch zum Patron des Viehs, der Pferde, Reiter und Fuhrleute.

Leonhardkapelle Wallhausen

In Wallhausen, das zum Ortsteil Konstanz-Dettingen gehört, befindet sich am Ende des Leonhardsweges eine Kapelle, die dem heiligen Leonhard geweiht ist. Sie wurde von dem Mainauer Komtur Franz von Schonau 1714 gestiftet und mit den Mainauer Farben erbaut. Fuhrleute holten mit ihren Pferden dort den Segen, bevor sie über den Bodanrück den Weg zur Höri fortsetzten.

Die Kapelle wurde mit den Jahren sehr baufällig und war mehr und mehr in einem verfallenen Zustand. So ergriffen in den 80-er Jahren die Wallhauser Bewohner Dr. Raphael Leonhardt, Manfred Griesmeier und Dieter Krischker mit Pfarrer Helmut Linse die Initiative zur Sanierung und Renovation dieses kleinen Gotteshauses. Insgesamt 25 Leute halfen kostenlos mit zum Wiederaufbau. Ohne diese Eigenleistung wäre die Renovation nicht möglich gewesen. Die ganze Kapelle musste erneuert werden: Trockenlegung, neues Fundament, Mauerwerk, Fenster, Glockenstuhl, selbst die kleine Glocke mit den hl. Leonhard und den Attributen Fesseln und Stab wurde saniert und mit elektrischem Geläute versehen. So konnte das Glöckchen dann wieder einladen zum Angelusgebet, zur Segnung der Pferde und zu Gottesdiensten, die erst von da an wieder möglich waren. Die Figuren der heiligen Theresia von Avila sowie des heiligen Antonius von Padua, die gestohlen, wieder aufgefunden und von Peter Leber, Wollmatingen, restauriert wurden, und eine Muttergottesstatue mit einem Podest aus alter Zeit sind an den Seitenwänden angebracht worden.

Neu ist für den Besucher die Gestalt des Guten Hirten mit den Schafen. Es ist eine Holzschnitzerei, aus einem alten Grabmal angefertigt. Ein Sakramentshäuschen wurde in der Nähe des Altars an der Ostseite eingefügt. Der Altar aus Stein wurde von der Rückwand genommen und von Bildhauer Blessing neu geformt. Aus Anlass der Renovierung der Kapelle kamen zwei Holzfiguren hinzu, geschaffen von einem Holzschnitzer, der am gegenüberliegenden Ufer des Bodensees seine Werkstatt hatte, dessen Name aber nicht mehr ermittelt werden konnte: Es sind eine Mutter Gottes mit Kind sowie der Patronatsheilige St. Leonhard mit Fesseln und Pferdekopf, um die Bedeutung der Pferdesegnung hervorzuheben. Neu sind auch das Gitter am Sakramentshäuschen und die kunstvoll geschmiedete Eingangstür aus der Kunstwerkstätte Wolfgang Knöpfel aus Küssaburg-Reckingen.Seit 1982 gibt es durch Initiative von Dr. Raphael Leonhardt wieder den Leonardiritt, der alle zwei Jahre von der Pfarrkirche St. Verena/Dettingen an der Leonhardskapelle Wallhausen vorbei zum Ziegelhof führt mit dortigem Abschluss der Reiter- und Pferdesegnung.

Aufgrund einer Ansteckungsgefahr durch einen Infekt der Pferde musste kurzfristig die Pferdeprozession und Reitersegnung im Jahr 2014 ausfallen.

Jeden Freitag um 18.30 Uhr ist in der Leonhardskapelle eine Eucharistiefeier. Am 1. Freitag im Monat ist dort die Feier des Herz-Jesu-Freitags mit sakramentalem Segen.

Leonhardstatue

Nicole Braunbarth vom Ziegelhof, Pfarrer Zimmermann, Bruno Okle mit St. Leonhard, (holzgeschnitzt) Manfred Griesmeier vor der Leonhardskapelle. Bild: N. Schutzbach.