Ruhe vor dem Ostertrubel

Südkurier Konstanz, 23.04.2011

Pfarrer Bernd Zimmermann ist im Osterstress. Messen, Taufen und Tipps für Kommunionkinder stehen über die Feiertage auf seinem Plan. Aber der Pfarrer ist Hetzen gewohnt.

Ein Blick in den Kalender von Pfarrer Bernd Zimmermann verrät: Über Ostern braucht der 69-Jährige starke Nerven. Ihm stehen ein Marathon an Predigten und Gesprächen bevor. Über die Feiertage drängen sich Messen, Taufen, Taufgespräche, Beichten und Vorbereitungsstunden für die Kommunionskinder. Die Kalenderseiten sind mit winziger Schrift dicht beschrieben.

Selbst Organisationstalent Zimmermann entfährt mit Blick auf die Aufgaben am Ostermontag: „Da muss ich mich schon abhetzen.“

Dabei ist der 69-Jährige die enge Zeitplanung gewöhnt. Schon im Alltag als Pfarrer ist er ständig auf Achse. Er kümmert sich um drei Gemeinden mit ihren Kirchen und Kapellen. Er betreut Dettingen-Wallhausen, Dingelsdorf-Oberdorf und Litzelstetten-Mainau. Der katholische Priester ist auch für St. Marien zuständig, die Barockkirche auf der Mainau, ein Traum für viele Heiratswillige.

Manchmal hat der 69-Jährige drei bis vier Trau-Gottesdienste an einem Samstag, immer wieder auch mit weitgereisten Partnern, etwa aus Australien, aus Singapur, aus Thailand oder aus Russland. Zimmermann spricht bei Bedarf auch Englisch zu den Paaren. Zu seinen drei Gemeinden gehören drei Pfarrgemeinderäte. Er begleitet sie mit einer Einschränkung. Um 22 Uhr macht er Feierabend. „Ich bin zwei Stunden voll da, aber dann gehe ich.“

Pfarrer Bernd Zimmermann
Doch selbst den stresserprobten Pendler zwischen seinen Gemeinden fordern die Ostertage noch heraus: Es drängen sich die Termine. In der Osternacht am Samstag tauft er ein Baby und zwei Kinder, die bald Erstkommunion feiern. Ostersonntag startet er um 9.15 Uhr mit einer Messe in Dettingen, um 10.45 Uhr schließt sich ein feierliches Amt in Litzelstetten an und um 12.30 Uhr ein Gottesdienst auf der Mainau mit Taufe. Drei Gottesdienste stehen auch am Montag auf dem Plan: Um 9.15 Uhr leitet er die Eucharistiefeier in Dettingen, um 10.30 Uhr führt er Kinder in Litzelstetten zur Erstkommunion und um 18.30 Uhr zelebriert er das Abendmahl in Litzelstetten. Es ist der vorbereitende Gottesdienst für die Kommunionkinder aus Dettingen. Zimmermann geht gelassen an die Feiertage heran: „Es ist manchmal Stress, aber es macht auch Freude. Ich lebe mit meinen Gottesdiensten. Ich meditiere meine Gottesdienste.“

Eine Woche lang sinniert er über die Bibelstellen, zu denen er predigt. Manche Texte erscheinen auch dem Pfarrer sperrig und er steht vor der Frage, wie er sie den Menschen vermitteln kann. Manchmal zieht er sich in den Garten zurück, zusammen mit seinen beiden Schildkröten, die jüngst Nachwuchs bekommen haben. Sie helfen ihm, konzentriert nachzudenken über die Texte sowie die Menschen, zu denen er sprechen will. Pfarrer Zimmermann könnte längst in den Ruhestand gehen, doch er bleibt – nicht nur, weil die Kirche zu wenige junge Pfarrer hat, die die Aufgaben übernehmen könnten. Zimmermann bleibt auch, weil ihn seine Aufgaben mit Zufriedenheit erfüllt. „Die Liebe Christi drängt mich, weiterzugehen.“ Auch wenn an Ostern kein Feiertagsgefühl im Sinne von Freizeit aufkommen kann, freut sich der Pfarrer auf das Fest, in dem es um Überwindung des Todes durch die Auferstehung von Jesus geht. „Ich feiere gern mit meiner Gemeinde, auch wenn ich hinterher müde bin.“