Generationenübergreifende Pfarrfasnacht 2011

„Lasst uns feiern in Gottes Namen – Amen!“
Interkonfessionell und generationenüberschreitend: Will man die nach einer Pause wieder am Mittwoch vor dem „Schmotziger Dunschdig“ stattfindende Pfarrfasnacht 2011 mit zwei Adjektiven umschreiben, hat man mit diesen großartig klingenden Begriffen ins Schwarze getroffen.

Teilweise bis zu 150 Gäste feierten im katholischen Gemeindezentrum, diesmal nicht in Jung und Alt getrennt – sondern alle gemeinsam. Nachdem früher der Altennachmittag am Fasnachtsdienstag und die Pfarrfasnacht am Mittwochabend vor Fasnacht stattfand, bot sich dem Zuschauer diesmal ein Bild, was gesellschaftlich gesehen als „vorbildlich“ bezeichnet werden kann: Vom alteingesessenen, eingeborenen Litzelstetter bis zu jungen, neu hinzugezogenen Familien war ein breiter Querschnitt durch die Bevölkerung vertreten.

Mit einem bunten Programm begeisterten die sonst durch klerikalen Schwermut gezeichneten Pfarrer aus katholischer und evangelischer Gemeinde mit selbstkritischen Einlagen, wurden Erinnerungen aus 20 Jahren Pfarrfasnacht geweckt und bildeten sich spontane Polonaisen durch die Reihen.

Unter den prominenten Gästen befanden sich neben Ortsvorsteher Rudolf Riedle auch Mitarbeiter der Ortsverwaltung: Klaus Frommer und Brigitte Schulze blickten ihrer ehemaligen Kollegin Gertrud Keller entgegen, die die wesentliche Organisation des Nachmittags übernommen hatte und mit tosendem Beifall beklatscht wurde. Auch die früheren Ortsvorsteherinnen Dr. Hermine Preisendanz und Dr. Helga Jauss-Meyer konnten begrüßt werden. Mitglieder des katholischen Pfarrgemeinderates, des evangelischen Kirchengemeinderates, der beiden Chöre aus den Gemeinden sowie des evangelischen Seniorenkreises waren gekommen, um bei Kaffee, Berlinern, Nusszopf und viel guter Laune zu schunkeln.

Dass es kein Mittag für die ältere Generation werden sollte, zeigte sich bereits an der Moderation: Das Mitglied im Litzelstetter Jugendausschuss und begeisterte Mitarbeiterin der katholischen Jugend, Katharina Köhler, führte mit Leichtigkeit und Bravour durch die insgesamt drei Stunden.

Am Keyboard sorgte Frau Reichle für stimmungsvolle Abwechslung. Zur Begrüßung hatte sich Pfarrer Bernd Zimmermann unter einen eleganten Strohhut geworfen: Mit spürbarer Freude und Heiterkeit, aber auch mit priesterlicher Routine ermutigte er die diesmal nicht allzu Gotteslob sichere Gemeinde: „Lasst uns feiern in Gottes Namen – Amen!“

In einem aus Bildern der vergangenen Jahrzehnte zusammengeschnittenen Film gab es Einblicke in die Talente der Pfarrfasnacht. Gleichsam erbat Pfarrer Zimmermann in diesem Augenblick, auch an die Engagierten zu denken, die die diesjährige Veranstaltung nicht mehr miterleben konnten.

„Wir erinnern uns an die, die uns bisher zum Lachen gebracht haben“, so der katholische Pfarrer. Ein Urgestein für Litzelstetten, für die Fasnacht und für die Gemeinde absolvierte im Anschluss eine filmreife Büttenrede: Frau Christmann, die seit jeher ihre Texte selbst formuliert, brachte einen Streifzug durch das vergangene Litzelstetter Jahr zum Besten. 40-jähriges Priesterjubiläum von Bernd Zimmermann, ein neuer „halber“ Pfarrer für die Evangelischen im Ort und ein neues Gesicht für die Ortsverwaltung: „Frommer“, obwohl wahrscheinlich schon lange keine Kirche mehr von innen gesehen – so die Rednerin. Und auch dem Ortsvorsteher legte Christmann eine Botschaft ans Herz: Der Beichtstuhl sei wohl der einzige Ort in Litzelstetten, den der politische Schatten noch nicht erreicht habe.

Aus „Übersee“ war die Turnergruppe der Frauen aus Friedrichshafen angereist. Zu rockigen Klängen präsentierten die Damen die symbolische Fahrt über das Schwäbische Meer und tanzten mit knallroten Nasen als Clowns ballettartige Passagen.

Die Litzelstetter „Bojenheuler“ reimten und sangen: „Dann isch bei uns wieder Fasnet“ und „Bei uns am schönen Bodensee“. In Miniatur zog man bereits das Narrenbaumstellen vor – und entsprechend praktizierte man auch das traditionelle „Wurschtschnappen“. Für die erste Reihe hieß es jedoch bei der Größe der Wienerle eher, die Lesebrille auszupacken. Politische Querschüsse auf die geflickte Martin-Schleyer-Straße, eine Dankeshymne an „Ortsvorsteher Rudolf und das Bäderamt“ für Gummimatten am Badesteg, den sandlosen Strand in Litzelstetten, und einen Fasnachtsblues gab es inklusive.

Nachdem die Pfarrfasnacht nur wenige Tage nach negativen Schlagzeilen über die Jugend stattfand, war der Nachmittag letztlich ein Beweis für den Zusammenhalt der verschiedenen Generationen. Nichts von Randale oder Alkohol, viel eher ein Bild, was sich mancher Soziologe zu träumen wünscht: Die Litzelstetter halten zu ihren Jugendlichen – dies wurde bildhaft eindeutig beim Beitrag der jungen Ministranten der katholischen Gemeinde. Großeltern jenseits der Altersgrenze von 70 und 80 fanden Spaß und entdeckten ihre Jugendlichkeit bei einer Mischung aus Break Dance und Techno wieder, die die wohl 50 bis 60 Jahre Jüngeren darboten.

Als protestantischer Gast war der neue evangelische Pfarrer Dr. Christof Ellsiepen geladen. Die bereits von Bernd Zimmermann mehrfach betonte ökumenische Verbundenheit („in gemeinsamer Christenheit feiern wir heute als Narren“) und das enge partnerschaftliche Miteinander der beiden Gemeinden betonte auch Ellsiepen. In seiner Einlage erzählte er als neu Hinzugezogener und mit passender Dreizackgabel und Hörnern versehener „Teufel“ von seinen Beobachtungen in Konstanz. Von „Schummelei“ und abgeschriebenen Magisterarbeiten in den akademischen Hallen, vom angedachten „Unterwasserhafen“ und dem oberirdischen Kongresshaus bis hin zum neuen Geistlichen, der ins evangelische Pfarrhaus einziehen und den über ein Jahr in Leere und Ruhe hausenden „Teufel“ vertreiben wollte.
Und das mit Erfolg: „BeZi“ (Bernd Zimmermann) und Christof Ellsiepen lassen für den Teufel in Litzelstetten keinen Platz. Die Aussage des neuen evangelischen Pfarrers war – trotz närrischer Ironie – deutlich: Der christliche Zusammenhalt aus evangelischer und katholischer Gemeinde wird offenkundig von beiden Seiten tiefgründig wertgeschätzt.

Und so spürten die Gäste im letzten Teil ein wahrliches Gemeinschaftsgefühl, das wohl nicht nur für eine fröhliche, sondern auch wahrliche gesegnete Fasnacht sorgen dürfte. Das Einstimmen des ganzen Saales in die nicht ganz so ernst zu nehmenden Lieder des katholischen Kirchenchores bildete den würdigen Abschluss für einen Nachmittag, der als denkwürdig betrachtet werden darf. Vom „Freibier-Geier“ über „Klingelingeling, da kommt der Zimmermann“ bis zum „S'goht dagege, Mamme ...“ - die Eigenleistung, Ideen und Engagement dieses Tages wurden bis zum Schluss sichtbar.

Und so erging zurecht und ohne Einschränkung ein herzlicher Dank an alle Mitwirkenden der Pfarrfasnacht 2011.

Bericht von Dennis Riehle