Wechsel in der Leitung im Sozialdienst Katholischer Frauen

Bericht: Südkurier, 23. Juni 2009

Nach acht Jahren ist es Zeit für einen Schnitt, findet Christa Herrmann. Die 75-Jährige ist seit 2001 Vorstand des Sozialdienstes Katholischer Frauen in Konstanz. Nun möchte sie einen „jüngeren Blickwinkel“. Christa Herrmann hat sich deshalb dazu entschlossen, ihren Posten aufzugeben. Von nun an übernimmt ihre bisherige Stellvertreterin Brigitte Rieger-Salloukh, 43 Jahre, das Amt.

Für Christa Herrmann war früh klar, dass sie sich sozial engagieren würde. „Ich bin die Drittälteste von neun Kindern“, erzählt sie. „Ich hatte immer ein Geschwisterchen am Schürzenbändel.“ Als sie zehn Jahre alt war, wurde ihre Mutter schwer krank. Die kleinen Zwillinge musste Christa Herrmann mit ihrer damals neunjährigen Schwester allein versorgen. „Da war ich früh Mutter“, sagt Herrmann. Auch später übernahm sie immer wieder Verantwortung: Bevor sie nach Konstanz kann, leitete Christa Herrmann ein Heim in Trägerschaft des Sozialdienstes Katholischer Frauen (SKF). Als sie dann Leiterin des Konstanzer Sozial- und Jugendamtes wurde, hatte sie wieder mit dem SKF zu tun. Ab 2001 führte sie den Konstanzer Verein. In dieser Zeit hat sich einiges getan: Wo heute das Zentrum Säntisschule ist, war früher das Haus Nazareth. „Das war ein Heim ohne Schule und Hilfsangebote“, sagt Christa Herrmann. Der SKF hat dort ambulante Tagesgruppen eingerichtet, die Schule für Erziehungshilfe mit aufgebaut und vor zwei Jahren auch eine Kinderkrippe ins Angebot genommen. 2001 hat der Sozialdienst außerdem den Treffpunkt Berchen eröffnet, wo Schwangere beraten werden, Frauen sich treffen und eine Spielgruppe für Kleinkinder besteht. Christa Herrmann hat viel angestoßen. „Jetzt will ich aufhören, weil ich eine sehr gute Nachfolgerin gefunden habe“, sagt die 75-Jährige mit Blick auf Brigitte Rieger-Salloukh.

Die beiden Frauen kennen sich aus kommunalpolitischen Zeiten. Rieger-Salloukh war von 1994 bis 1998 Stadträtin in Konstanz, als Christa Herrmann Leiterin des Jugendamtes war. „Als einzige Frau neben Sonja Hotz haben die männlichen SPD-Kollegen mich gleich in die sozialen Ausschüsse gesteckt“, sagt die 43-Jährige und grinst. Sie hat dies gern angenommen.
„Für mich ist es selbstverständlich, dass man sich dort engagiert, wo man lebt“, sagt sie. Die promovierte Politikwissenschaftlerin ist sich bewusst, dass sie nun „eine große Institution“ erbt, aber sie freut sich darauf. Sie hat einiges vor als Vorstand des SKF: „In der Schwangerschaft gibt’s viel Hilfe für die Frauen, aber wenn das Kind da ist, erhält man wenig Unterstützung“, sagt Brigitte Rieger-Salloukh. In diesem Bereich möchte sie die ehrenamtliche Hilfe ausbauen. Sie hat selbst eine vierjährige Tochter und fragt sich wie viele Eltern: „Wie geht’s weiter nach der Krippe?“ Ihr Geld verdient die 43-Jährige aber nicht im sozialen Bereich: Brigitte Rieger-Salloukh arbeitet an der Uni Konstanz als Referentin und organisiert Berufungsverfahren. Für ihre Hobbys, Tanzen und Windsurfen, hat sie im Moment keine Zeit. Da ähneln sich die Generationen: Auch Christa Herrmann hat keine Zeit, obwohl sie ihr Amt abgibt. „Ich bin ja noch auf Bundesebene im Frauenverband und im Pfarrgemeinderat“, sagt die 75-Jährige und lacht.