Die Weiterentwicklung der Seelsorgeeinheiten

Der zunehmende Priestermangel – in diesem Jahr 2009 in unserer Diözese nur drei Neupriester – aber auch der Rückgang der Zahl hauptamtlicher Laien macht eine pastorale Neuordnung in den deutschen Bistümern notwendig.

Es geht darum, effektivere Strukturen zu schaffen, die Zahl der Sitzungen zu vermindern, die Haupt- und Ehrenamtlichen zu entlasten, so dass vor allem für die Priester mehr Zeit für pastorale Aufgaben und die eigentliche Seelsorge bleibt.

Die Bistumsleitung ist bestrebt, Aufgaben auf der Ebene der Seelsorgeeinheiten zu bündeln und gleichzeitig das Leben in den einzelnen Gemeinden zu erhalten und zu fördern, sowie die Vernetzung untereinander zu stärken. Dazu sollen sich die Pfarreien einer Seelsorgeeinheit bis spätestens 2015 zu einer Kirchengemeinde zusammenschließen mit nur noch einem Gemeinsamen Pfarrgemeinderat und einem Gemeinsamen Stiftungsrat (was jetzt schon möglich ist und vielerorts bereits praktiziert wird). Die Pfarrgemeinden sollen als pastorale Größen erhalten bleiben. Bereits in den Pastoralen Leitlinien der Erzdiözese Freiburg ist die Seelsorgeeinheit als unterste Ebene der Pastoral benannt, wenn dort von den „Seelsorgeeinheiten mit ihren Gemeinden“ die Rede ist.

Auf der Ebene der Pfarrgemeinde soll dann ein Gemeindeteam vor Ort dafür Sorge tragen, dass das Leben der Pfarrgemeinde weiterbesteht, gefördert und gestärkt wird. Die Zusammensetzung der Gemeindeteams ist folgendermaßen geplant: drei gewählte Pfarrgemeinderäte, die der betreffenden Gemeinde angehören, ein Stiftungsrat des Gemeinsamen Pfarrgemeinderats, ein Mitglied des Seelsorgeteams, sowie drei bis sechs hinzugewählte ehrenamtliche Gemeindemitglieder. Klärungsbedarf gibt es allerdings noch hinsichtlich des Zusammenspiels des gemeinsamen Pfarrgemeinderates und des örtlichen Gemeindeteams, sowie hinsichtlich der Kompetenzen dieses Teams.  Es stellt sich darüber hinaus die Frage, ob die Einrichtung dieser Gemeindeteams tatsächlich zu einer Entlastung der hauptamtlichen Laien (Gemeindereferent) führt bzw. dazu beitragen kann, dass der Priester wieder mehr Freiraum für seine unmittelbaren priesterlichen Aufgaben bekommt.

Im Konradsblatt Nr. 23, 2009 vertritt der Personalreferent unseres Erzbistums, Domkapitular Peter Kohl, folgende Auffassung: „Das Gesicht der Kirche vor Ort wird künftig nicht von Hauptamtlichen, sondern von Ehrenamtlichen geprägt sein.“ Dies kann man als einen Appell an uns alle verstehen, uns unserer Verantwortung als Christen bewusst zu sein und uns unseren Fähigkeiten entsprechend in der Gemeinde einzubringen.

Die derzeitige Satzung der Pfarrgemeinderäte behält für die kommende Wahl im März 2010 im Wesentlichen ihre Gültigkeit: Es sind bis 2015 noch einmal vier Kooperationsformen der Pfarrgemeinderäte innerhalb einer Seelsorgeeinheit möglich:
Das erste Modell einer möglichen Kooperationsform sieht Gemeinsame Sitzungen der Pfarrgemeinderäte der einzelnen Gemeinden bei den Angelegenheiten vor, die die Zusammenarbeit in der Seelsorgeeinheit betreffen.

Der Gemeinsame Ausschuss, der sich aus den Vorsitzenden der einzelnen Pfarrgemeinderäte und deren Stellvertretern, sowie dem Pfarrer als Leiter der Seelsorgeeinheit zusammensetzt, bietet die zweite Möglichkeit einer Kooperation auf Ebene der Seelsorgeeinheiten. Diese Form der Zusammenarbeit wird von den drei Pfarrgemeinden unserer Seelsorgeeinheit praktiziert.

Das dritte Modell ist der Gesamt-Pfarrgemeinderat, der gemeinsam tagt, allerdings unter Beibehaltung der bestehenden Pfarrgemeinderäte.

Die vierte mögliche Kooperationsform ist der Gemeinsame Pfarrgemeinderat. Bei dieser Form fallen die bisherigen Pfarrgemeinderäte der einzelnen Gemeinden weg. Diese letztgenannte Form der Zusammenarbeit auf Ebene der Seelsorgeeinheit wird von der Bistumsleitung für das Jahr 2015 angestrebt. Von den vierzehn Seelsorgeeinheiten unseres Dekanats haben bereits sechs Seelsorgeeinheiten diese Kooperationsform umgesetzt, weitere zwei haben einen Gesamt-Pfarrgemeinderat, Planungen anderer Seelsorgeeinheiten des Dekanats im Bezug auf die 2010 anstehenden Pfarrgemeinderatswahlen gehen in die selbe Richtung.

Außer unserer Seelsorgeeinheit gibt es zur Zeit noch drei weitere Seelsorgeeinheiten, die die Kooperationsform des Gemeinsamen Ausschusses praktizieren, davon tendiert eine Seelsorgeeinheit dazu, bereits bei den kommenden Wahlen die Kooperationsform des Gemeinsamen Pfarrgemeinderats umzusetzen.

Auch wenn sich die drei Gemeinden unserer Seelsorgeeinheit dazu entschieden haben, bis 2015 die jetzige Kooperationsform des Gemeinsamen Ausschusses beizubehalten, sollte das Zusammenwachsen unserer Seelsorgeeinheit unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Charakteristika der einzelnen Gemeinden aktiv gefördert werden, ohne gewachsene Traditionen und bewährte Strukturen zu zerstören.

Emotionalen Ängsten lässt sich oft nur schwer mit rationalen Argumenten begegnen und trotzdem sollte der Versuch gewagt werden, Schritte hin zu mehr Gemeinsamkeit zu gehen, wie zum Beispiel gemeinsame Sitzungen der Pfarrgemeinderäte, ein besserer Informationsaustausch zwischen den einzelnen Gemeinden und zwischen den Gruppierungen unserer Pfarreien.

2015 wird kommen; ob die Zahl der Priester so rasant ansteigen wird in den kommenden Jahren, darf bezweifelt werden. Sehen wir die Neuerungen als eine Chance für unsere Seelsorgeeinheit und bereiten uns entsprechend darauf vor.


Ingeborg Baumann   Regina Kompp
(Vertreterinnen der Seelsorgeeinheit im Dekanatsrat)