Zum Gedenken an Franz Schroff

gestorben am 4. Okt. 2010
Mesner von St. Nikolaus / Dingelsdorf

Zeitlebens hat er unter uns in Dingelsdorf gelebt, viele kannten und schätzten ihn, das zeigte sich auch an der großen Beteiligung am Requiem und der Beerdigung und an den zahlreichen an mich gerichteten Beileidsschreiben. Still und bescheiden war er, jedoch aufmerksam und wach für die Mitmenschen, die Gottes Beistand und Hilfe nötig hatten. So tat er ganz selbstverständlich seinen Dienst als Mesner der Gemeinde. Er war verankert in dem von seinen Eltern geprägten katholischen Glauben und kannte gut die Bräuche des von der Kirche vorgegebenen Jahreskreises.

Franz Schroff war in der Mesnerfamilie Martin und Pauline Schroff am 4. August 1934 in Dingelsdorf geboren. Neben dem Beruf als Mesner betrieb die Familie eine Landwirtschaft. Es war das Bauernhaus mitten im Ort, in dem auch Franz noch bis zuletzt wohnte. Er wuchs allein bei den Eltern auf. Als der Vater im Jahr 1954 starb, zog seine Patentante Maria ins Haus und sie betrieben zusammen weiter den landwirtschaftlichen Betrieb und Franz als Nachfolger seines Vaters den Mesnerdienst in der Pfarrkirche St. Nikolaus. Er kannte schon alles von seinem Vater: den häufigen Besuch der Kirche in geregelten Zeiten vom Läuten der Glocken und der Mitwirkung bei den Gottesdiensten und den vielen Aufgaben, die damit verbunden waren. Er tat dies mit großer Treue und Hingabe, ja mit Freude und Sorgfalt.

Exakt zur vorgegebenen Zeit läutete er die Kirchenglocken, und zwar zunächst noch am Seil mit eigenen Händen, bis Pfarrer Riesterer in den 70-er/80-er Jahren eine Läuteanlage anschaffen ließ. So stieg er jeweils zum Berg hinauf, schon am Morgen zum Angelusläuten, um 11.00 Uhr wieder und um die Frauen auf den Feldern aufzufordern, jetzt nach Hause zu gehen, um für die Familie das Mittagessen zu kochen sowie bei der Dämmerung zum Abendläuten wiederum den Angelus und für das Totengedenken. Dazwischen lagen die Gottesdienste, die heiligen Messen, die Andachten und das Beten des Rosenkranzes. Immer war er da zum Dienst. Er läutete auch zu jeweils bestimmten Anlässen und auch während der heiligen Messen beim Evangelium und der heiligen Wandlung. Und wenn er erfuhr, jetzt ist wieder jemand aus dem Ort verstorben, meldete er dies den Bewohnern des Ortes - wie es Brauch war für Dingelsdorf - durch ein zweimaliges Läuten für einen in die Ewigkeit heimgegangenen Mann und ein einmaliges Läuten für eine verstorbene Frau.

All dies tat er mit großer Sorgfalt. Er war für das Aufschließen und Schließen des Gotteshauses verantwortlich. Im Winter befreite er den Zugang zum Gotteshaus von Schnee und Eis. Er verrichtete mit Selbstverständlichkeit viele Dinge, von denen nur Gott und derjenige weiß, der die vielfältigen Aufgaben als Mesner in der Kirche selbst kennen gelernt hat.

Im Jahr 2004 konnten wir mit Urkunde sein 50-jähriges Dienstjubiläum feiern. Er freute sich besonders über einen neuen Mesnertalar, der ihm von der Gemeinde geschenkt wurde, nachdem sein altes Gewand, das er vom Vater erbte, schon reichlich zerschlissen war.
Er war nicht anspruchsvoll für sich, verlangte jedoch die Kollekte, die ja nicht für ihn selbst war und die er für kirchliche Anliegen einzusammeln hatte. Er nahm es als treuer Mesner sehr genau.

Bis 2008 übte er allein noch den Mesnerdienst aus, bis er aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit und Krankheit mir empfahl, doch nun einen neuen Mesner zu suchen. Durch Gottes Fügung bekamen wir wirklich bald einen bereitwilligen jungen Nachfolger, was heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist.

Im Haus sorgte die Nachbarin Frau Elfriede Renz für ihn. So konnten wir Franz Schroff nach 55 Jahren am Patrozinium St. Nikolaus 2008 vom Mesnerdienst verabschieden. Doch im Herzen blieb er seinem Beruf treu und half auch weiterhin mit. So staunte ich, als ich Franz Schroff auch dann noch an einem frühen Wintermorgen vor der Pfarrkirche St. Nikolaus Schnee räumen sah; schon von der Krankheit gezeichnet, gebückt und mit letzter Anstrengung wollte er den Kirchenbesuchern wie früher den Weg zur Kirche freimachen.

Durch sein vorbildliches Dasein hat er - auch im übertragenen Sinn – ohne Worte manchen Besuchern den Weg zur Kirche frei gemacht. Und in der Reihe der vielen Dingelsdorfer, für die er die Totenglocke zum Gebet geläutet hatte, wollte er nun begraben sein. Wir haben für ihn alle Dingelsdorfer Glocken erklingen lassen. Denn an diesem Diener Franz wird das Wort Jesus Christi wahr: „Selig bist du, guter und getreuer Knecht, geh ein in die Freude deines Herrn!“

Bernd Zimmermann, Pfarrer von Dingelsdorf
Leiter der Konstanzer Bodanrückgemeinden

 

50 Jahre Mesner – Franz Schroff wurde mit der Goldenen Ehrennadel des Mesnerverbandes ausgezeichnet. Zum Jubiläum gratulierten Mesnerpräses Emanuel Frey (Mitte) und Dieter Feuerstein (links), der Dekanatsleiter des Mesnerverbandes, der dem Jubilar die Auszeichnung überreichte.