Laudatio aus der Sicht eines langjährigen Freundes

von Univ.Prof.Dr.med.,med.dent.et phil. Dominik Groß, Aachen

Sehr geehrte Damen und Herren, lieber Bernd,
wir sind heute hierher gekommen, um eine Person zu feiern: Pfarrer Bernd Zimmermann. Nur wenige von uns haben seinen gesamten Lebenslauf mitverfolgt. Um unser Hintergrundwissen etwas aufzubessern, erlaube ich mir einen Rückblick auf das Leben des Jubilars Bernd Zimmermann, um dann noch ein paar persönliche Bemerkungen anzuschließen. Bernd Zimmermann wird mitten im 2. Weltkrieg in Stühlingen/Kreis Waldshut geboren. Sein Vater Wilhelm ist zu diesem Zeitpunkt Soldat in Russland und kann die Geburt nicht miterleben. In den 1930er Jahren hat der Vater als Schriftsetzer und Journalist bei der christlichen Bodenseezeitung in Konstanz gearbeitet, bis diese schließlich im Dritten Reich eingestellt wird. Mutter Anna bringt ihn im Krankenhaus Stühlingen zur Welt. Neben ihr wird Bernds Tante Sofie zur zweiten wichtigen Bezugsperson. Bis 1946 lernt Bernd seinen Vater nicht kennen. Als dieser schwer kriegsverletzt aus englischer Gefangenschaft heim kommt, fürchtet sich Bernd zunächst vor dem fremden Mann, der so unvermutet in die eingespielte Familie eindringt und ihm den ersten Platz streitig macht. Doch bald hat Bernd den Vater akzeptiert. Wilhelm Zimmermann findet eine neue berufliche Stellung als Beamter in der Gemeindeverwaltung Stühlingen und ist bis zu seiner Pensionierung als Stadtrechner tätig. Im Jahr 1949 bekommt Bernd noch einen Bruder, Franz Zimmermann, der heute auch unter uns ist. Kraft und Halt schöpft die Familie im christlichen Glauben. So wird Jesus schon früh Bernds großer Freund. Er hört gern die Geschichten von Heiligen, vor allem über das Leben des  Pfarrers von Ars und des Missionars Petrus Claver. Schon früh reift in ihm der Wunsch, Priester zu werden. Bernd kam auf die Internatsschule der Steyler Missionare in Blönried/Aulendorf, von Insidern auch kurz „St. Johann“ genannt. Am liebsten wäre er zu Hause geblieben, aber um Priester zu werden, nimmt er das Blönrieder Internat in Kauf. Zu den Steyler Missionaren kommt er, weil der jüngste Bruder seines Vaters - Pater Franz Zimmermann – bereits diesem Orden angehört. In Blönried besucht Bernd die Unter- und Mittelstufe. Neben einer klassischen Schulbildung erfährt er dort auch zum ersten Mal, was es bedeutet, Verzicht zu üben: Die Regeln für Internatsschüler sind streng, was sich unter anderem in einer strikten Handhabung der Besuchszeiten äußert. Sein Heimweh kompensiert Bernd schon früh mit dem Gedanken an den Priesterberuf. In dieser Situation entdeckt er seine Leidenschaft fürs Orgelspiel. Wo andere sich in den Sport flüchten, kapriziert Bernd sich auf das Gebet und die Musik. Im Laufe der Jahre perfektioniert er sein Spiel an der Kirchenorgel – eine Tatsache, die ihm später einmal eine langjährige Tätigkeit als Organist und Musiklehrer einbringen wird. Die Schule in Blönried ist damals nur ein Progymnasium bis zur Obertertia. Nach der Obertertia wird daher die komplette Klasse nach St. Wendel im Saarland übergesiedelt, denn dort befindet sich das nächstgelegene Vollgymnasium der Steyler Missionare. Der Ortswechsel ist alles andere als einfach. Die Lehrpläne passen nicht zueinander, und ein Großteil der Blönrieder Jungen gibt auf. Bernd aber will durchhalten, eben um Priester zu werden, und Voraussetzung hierfür ist nun mal das Abitur. Hinter den heiligen Mauern der von Arnold Janssen gegründeten Missionshausschule wird Bernd seine ersten drei saarländischen Jahre verbringen. In St. Wendel legt Bernd im März 1963 seine Abiturprüfungen ab – mit Erfolg! Selbstverständlich ist das nicht, denn die Zeiten in St. Wendel sind hart, die Lehrer gefürchtet und in Bernds Klasse haben 11 Schüler keine Versetzung in die Oberprima erhalten. Es gilt noch eine andere Prüfungsordnung mit schriftlichen Leistungstests in Latein, Griechisch, Französisch und Mathematik. Mündlich muss man in allen Fächern zur Prüfung bereit sein, eine Eingrenzung der Fächer gibt es nicht. Solchermaßen auf die Härten des Lebens vorbereitet, tritt Bernd im Sommer 1963 - ohne Alternativen zum Priesterberuf zu erwägen - in das Missionspriesterseminar St. Augustin bei Bonn ein. Nach Noviziat und Philosophiestudium kehrt Bernd nach Blönried zu einem pädagogischen Praktikum zurück. Diesmal jedoch mit vertauschten Rollen, denn Bernd ist nunmehr der Erzieher und nicht mehr der Zögling. In der Präfektur in Blönried lernt Bernd den Umgang mit der Jugend - eine Erfahrung, auf die er noch öfter zurückgreifen wird. Nach dem Pädagogik-Praktikum in Blönried kehrt Bernd wieder nach Sankt Augustin zurück, wo er jetzt sein Theologiestudium aufnimmt. Nun folgt eine Zeit des Denkens und der Einkehr, die mit der Priesterweihe am 11.10.70 in St. Augustin ihren vorläufigen Höhepunkt findet. Die Weihe erfolgt durch den chinesischen Exilbischof Vitus Chang aus Tringtau. Der Priesterweihe schließt sich nur eine Woche später die Heimatprimiz in Stühlingen an. Nach den Feierlichkeiten wartet auf Bernd jedoch wieder geistige Arbeit. Neue Prüfungen in Theologie stehen an, denn Bernd hat sich entschlossen, nun noch den Lizentiatsgrad zu erwerben – ein akademischer Grad, der fast nur noch an theologischen Hochschulen erworben werden kann und der zwischen dem Doktor und dem Magister oder Master angesiedelt ist. Die zuständige Hochschule ist die päpstliche Universität San Anselmo in Rom. Bernd schreibt eine Arbeit über „Das sakramentale Verständnis bei Karl Rahner und Edward Schillebeeckx“ – mit großem Erfolg. Am 13.11.1972 folgt die Urkunde aus Rom. Von 1972 bis 1974 ist Bernd dann zum zweiten Mal in der Missionshausschule in St. Wendel tätig, in neuen Rollen. Er wird Präfekt der Mittelstufe im Internat. Dort stirbt bald darauf der Chorleiter, und so wird ihm zusätzlich die Leitung des Schülerchors, des Blasorchesters und  des  Streichorchesters übertragen. Doch bereits im WS 74/75 treibt es den wissbegierigen Bernd erneut an die Universität. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie und nach der Anfertigung des Lizentiatsarbeit möchte er nun Germanistik und Linguistik studieren. Die Wahl des Studienortes fällt auf Köln, denn hier kann Bernd zugleich als Klinikseelsorger tätig sein. So finanziert er sein Studium. In jener Zeit ist Bernd der Erzdiözese Köln unterstellt. Seine seelsorgerische Tätigkeit an der Hautklinik sowie im Reha-Zentrum erfüllt ihn mit großer Zufriedenheit, und in dieser Zeit entstehen einige Freundschaften. In der Rekordzeit von nicht einmal fünf Jahren beendet Bernd das Lehramtstudium mitsamt dem anschließenden Referendariat. 1979 tritt Bernd im Missionshaus St. Wendel wieder seinen Dienst an – nunmehr als Lehrer für Deutsch, Religion und Musik. Und jetzt kommen wir in den Zeitraum, über den ich aus eigener Anschauung berichten kann, denn ich bin zu diesem Zeitpunkt Schüler der 9. Klasse. In den nachfolgenden Jahren stellt Bernd als Lehrer in St. Wendel einige Rekorde auf: So wird er in insgesamt 10 Schuljahren von Schülerseite zehn Mal zum Vertrauenslehrer gewählt. Seine insgesamt vier Deutschleistungskurse führen zu weit überdurchschnittlichen Ergebnissen, und mehrere seiner Schüler werden für ihre Leistungen vom saarländischen Kultusminister ausgezeichnet.  Bernd wird schnell zum Oberstudienrat befördert, wird Abteilungsleiter für Deutsch und Gesellschaftswissenschaften, stellvertretender Leiter der Abteilung Oberstufe und Zweitprüfer an anderen Gymnasien. Doch Bernd unterrichtet nicht nur, sondern fungiert noch nebenbei als Hausorganist, als Leiter des Schülerorchesters und Herausgeber eines Literaturzirkels des jährlichen Schulbandes. Daneben chauffiert er seine Schüler nach den Orchesterproben und Nachmittagskursen in schöner Regelmäßigkeit mit dem Ordensauto nach Hause – was für die jungen Mitfahrer immer Abenteuercharakter hat, denn Bernd ist ein unkonventioneller und verwegener Autofahrer. Doch Gott fährt glücklicherweise immer mit. Seinen Freunden begegnet Bernd zu dieser Zeit mit der gleichen Freundlichkeit und Contenance wie einzelnen Skeptikern, denen die Beliebtheit und Omnipräsenz des Bernd Zimmermann zu schaffen macht. Doch bei allem Engagement in allen möglichen offiziellen Funktionen bleibt ihm immer weniger Zeit für die Seelsorge. Dabei hat sich ihm doch gerade die Zeit als Klinikseelsorger in Köln ins Herz gebrannt. Immer mehr verspürt er das Bedürfnis nach einer Neujustierung seines Lebens, nach einer Kurskorrektur, um dem Kern des Priesterberufs wieder näher zu kommen. Es folgt eine harte Zeit des Grübelns und Zweifelns. Kann er mit 48 Jahren seinem Leben noch mal eine neue Richtung geben. Soll er Orden und Schule verlassen, um Weltpriester und Seelsorger zu werden?  Und so ist es eine sehr schwere, aber letztlich logische Entscheidung, dass Bernd 1989 in Absprache mit den Ordensoberen in die Pfarreitätigkeit übertritt. Der heutige Erzbischof und Vorsitzende der Bischofskonferenz Zollitsch überträgt ihm die Pfarreien in Litzelstetten und Allmannsdorf, ohne dass Bernd sich hierfür beworben hätte. Da ist er nun: mitten in einem Glaubenskurs soll Bernd seinen Vorgänger ablösen – ohne private Kontakte zu seinen neuen Pfarreien zu unterhalten. Eben noch hinter den Mauern der Missionshausschule, und jetzt auf der Bühne zweier lebendiger Pfarreien – das erweist sich als heftige Umstellung! Da das Pfarrhaus in Litzelstetten noch weitreichender Umbaumaßnahmen bedarf, muss Bernd zunächst ein Privatquartier beziehen. Bernd hat das Glück, bei Familie Moser unterzukommen und an diese Anfangszeit denkt er heute noch mit großer Dankbarkeit zurück. Nun beginnt das zweite Leben des Bernd Zimmermann: Bernd hat die klösterliche Enge gegen ein Leben als Weltpriester eingetauscht und ist doch seinem persönlichen Verständnis von Priestertum wieder näher gerückt. Von heute auf morgen stellt er seine Lebensgewohnheiten um. Kein Bildungsprogramm mehr, die alte Begeisterung für Belletristik scheint verflogen. Auch an der Orgel sieht man ihn nicht mehr. Dafür taucht er ein in den Alltag der Pfarrei. 1999 folgt die nächste Zäsur. Mit Errichtung der neuen Seelsorgeeinheiten wird St. Georg in Allmansdorf mit der Pfarrei Maria Hilf zusammengelegt. Bernd behält die Pfarrei in Litzelstetten mit der Mainau und bekommt die Pfarreien Dingelsdorf-Oberdorf und Dettingen-Wallhausen hinzu. Die meisten von uns haben ihn in dieser Lebensphase als Pfarrer kennen gelernt und können seine Tätigkeit hier vor Ort weit besser einordnen als ich das kann. Ich bin aber immerhin seit nahezu 30 Jahren sein engster Freund, so dass es mir gestattet sei, abschließend noch ein paar persönliche Worte einzuflechten: Ich selbst habe Bernd viel zu verdanken; er hat vor allem meinen beruflichen Werdegang entscheidend beeinflusst. Dies erklärt eine gewisse Dankbarkeit, aber es erklärt natürlich noch keine drei Jahrzehnte währende Freundschaft. Letzteres hat damit zu tun, dass wir miteinander durch Höhen und Tiefen gegangen sind und einander an allen privaten Katastrophen haben teil nehmen lassen. Dabei war Bernd gewiss immer mehr derjenige, der gibt. Dies scheint mir die größte Konstante zu sein in einem Verhältnis, das ansonsten sich mit den Jahren doch stark gewandelt hat. War ich am Anfang der Schüler und er der Dozent, ist es mittlerweile schon mal umgekehrt. Früher war es nahezu ausgeschlossen, mit Bernd aneinanderzugeraten. Der besondere und fast schon einzigartige Anspruch des jungen Bernd Zimmermann, den ich Anfang der 80er Jahre kennenlernte, war es, jedem das zu sein, was dieser in ihm suchte: dem intellektuellen Schüler war er der Partner im Ringen um die beste Leistung, dem gefährdeten Schüler der Bündnispartner im Kampf um die Versetzung, dem beladenen Ordensbruder war er Seelentröster, dem nichtmotorisierten Musikant war er der bestmögliche Chauffeur. Bernd war in seiner St. Wendler Zeit eine Person, deren Ich kaum kontouiert war und die völlig im Dienst am Nächsten aufgegangen ist. Das hat sich mit den neuen Aufgaben schon geändert: Er hat heute deutliche Vorstellungen von dem, was er durchsetzen will, und vor allem auch von dem, was er nicht will. Dass er seine Vorstellungen selten eins zu eins kommuniziert, macht ihn dabei zu einem durchaus anspruchsvollen Gesprächspartner. Der Bernd, den ich im Jahr 2010 erlebe, hat eigene Wünsche. Aber er übt sich gerne in Andeutungen und Auslassungen und hält es für vornehmer, seine Wünsche zwischen den Zeilen herauslesen zu lassen. Das erinnert bisweilen an Kaffeesatzleserei und ist nicht immer einfach. Aber am Ende stehen doch immer Verständigung und Ausgleich. Ich bin froh, dass es Bernd im Verlaufe seiner Tätigkeit hier in Konstanz gelernt hat, sich zu behaupten. Wahrscheinlich ist es auch die einzige Möglichkeit, sich im Alltag als katholischer Priester in einer säkularisierten Welt über Wasser zu halten. Bernd Zimmermann ist in meinen Augen ein ausgesprochen großzügiger Freund, er ist absolut loyal, 100%ig zuverlässig und absolut vertrauenswürdig. Er ist die sprichwörtliche treue Seele und ein ausgesprochen gebildeter und belesener Zeitgenosse, auch wenn dieser Teil seiner Persönlichkeit gegenwärtig weniger bedient werden kann. Seine Freizeit gilt heute den Landschildkröten und auch das ist ein Hobby, das uns verbindet. Was ich an Bernd aufrichtig bewundere, ist seine Liebe zu seinem Beruf und die unumstößliche Gewissheit, dass der Priesterberuf für ihn alternativlos war und ist. Je mehr in Streitgesprächen sein priesterliches Tun und sein Glaube herausgefordert wird, desto entschlossener wird seine Haltung. Für ihn gab es in beruflicher Hinsicht nie einen Plan B und auch der Entschluss, über den 70. Geburtstag hinaus hauptberuflich Priester bleiben zu wollen und nicht zu privatisieren, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit  – natürlich immer vorausgesetzt, die Gesundheit spielt weiterhin mit. Und so hoffe ich, dass Bernd an dieser Stelle noch einige Jahre wirken kann – zu Ihrem Wohl und zu seinem eigenen. Lieber Bernd, in diesem Sinne wünsche ich Dir zu Deinem Priesterjubiläum, dass Du Dir Deinen Mut, Deine Durchsetzungskraft und vor allem Deine Liebe zu den Menschen bewahrst. Für die Zukunft nur das Beste – und noch ein bisschen mehr.