Festvortrag der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden der drei Pfarrgemeinden

Eugen Kaibach,
PGR-Vorsitzender von St. Nikolaus/Dingelsdorf-Oberdorf

Sehr geehrter Herr Pfarrer Zimmermann, 40 Jahre ist es nun her, seit Sie als Priester den Dienst in der Kirche begonnen haben. Eine lange Zeit, in der sich doch auch sehr viel verändert hat. Ich selbst kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es vor etwa 40 Jahren in unseren Pfarrgemeinden zugegangen ist. Die Gemeinden waren noch selbständig. Es ging noch beschaulich zu: der Bürgermeister, der Pfarrer und der Oberlehrer waren die angesehensten Persönlichkeiten und leiteten im Großen und Ganzen die Geschicke innerhalb der Orte. Die zu bewältigenden Aufgaben waren überschaubar, interessant, abwechslungsreich und konnten mit zumutbarem Aufwand erledigt werden. Der Pfarrer hatte nur seine eigene Pfarrgemeinde zu versorgen, die Gottesdienste waren immer gut besucht und er konnte sich auch immer gut ins Gemeindeleben einbringen. Neben Ihrer tiefen religiösen Überzeugung und inneren Berufung waren diese damals vorherrschenden äußeren Umstände möglicherweise auch für Sie ein zusätzlicher Anreiz, Priester zu werden. Vergleichen wir die damalige Zeit mit der heutigen Gegenwart, so müssen wir feststellen, dass sich zwischenzeitlich doch vieles gravierend geändert hat. Diese Veränderungen mussten auch Sie erfahren, zumindest seit der Zeit, seit Sie vor nun über 20 Jahren sich entschlossen haben, Ihren priesterlichen Dienst als Pfarrer in einer Gemeinde auszuüben. Waren es zunächst mit den Pfarreien St. Georg/Allmannsdorf und St. Peter und Paul/Litzelstetten „nur“ zwei Gemeinden, die Sie als Pfarrer zu betreuen hatten, so wurde Ihnen schon bald aufgrund des immer weiter fortschreitenden Priestermangels die Leitung der neu gegründeten Seelsorgeeiheit „Konstanzer Bodanrückgemeinden“ mit den drei Pfarreien St. Peter und Paul/Litzelstetten, St. Nikolaus/Dingelsdorf und St. Verena/Dettingen-Wallhausen übertragen. Zu den eigentlichen Pfarrkirchen kommen noch die Kapelle in Wallhausen und die Heilig-Kreuz-Kirche in Oberdorf – in der regelmäßige Gottesdienste angeboten werden – sowie die Kapelle St. Marien/Mainau mit den vielen dort stattfindenden Trauungen dazu. Als Gemeindeleiter ist es Ihre Aufgabe, neben den priesterlichen Tätigkeiten wie Gottesdienstangebote, Taufen, Trauungen, Beerdigungen usw. auch mit den Gemeindemitgliedern eine fruchtbare Verbindung zu unterhalten. Damit meine ich besonders die Zusammenarbeit mit dem Pfarrgemeinderat, dem Stiftungsrat, dem Mesner, dem Organisten, dem Chorleiter, der Sekretärin sowie den Erzieherinnen im Kindergarten. Als Leiter unserer Seelsorgeeinheit mit drei Gemeinden haben Sie diese eben erwähnten Aufgaben in dreifacher Ausführung zu bewältigen. Zusätzlich sind Sie neben Ihrer seelsorgerischen Tätigkeit Arbeitgeber von ca. 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, was vergleichbar mit der Größe eines mittelständischen Betriebes ist. Darüber hinaus sind Sie Bauherr von drei Kirchen, drei Kapellen, drei Pfarrhäusern, drei Gemeindehäusern und drei Kindergärten, die fast alle in den vergangenen Jahren und teilweise auch noch derzeitig unter Ihrer Leitung zeitgemäß renoviert oder den Anforderungen entsprechend erweitert worden sind. Neben all diesen Aufgaben haben Sie sich auch noch in der Pflege der Kultur engagiert. So haben Sie als Autor für jede Kirche unserer Seelsorgeeinheit einen Kirchenführer erstellt, in denen die Geschichte unserer Kirchen sowie der darin befindlichen Kunstwerke sehr eindrucksvoll und anschaulich dargestellt sind. Die Bewältigung aller Aufgaben erfordert von Ihnen ein Höchstmaß an persönlichem Einsatz, Verzicht auf Freizeit sowie körperlicher und gesundheitlicher Belastung, wobei die Grenze der Zumutbarkeit auch unter Berücksichtigung Ihres Alters längst erreicht oder schon überschritten ist.


Christa Herrmann,
PGR-Vorsitzende von St. Peter und Paul/Litzelstetten/Mainau

Lieber Herr Pfarrer Zimmermann, ob Sie bei Ihrer Berufswahl eine Vorstellung von all den Tätigkeiten hatten, von denen Herr Kaibach soeben gesprochen hat und die Sie wie selbstverständlich in unseren Pfarrgemeinden übernommen haben? Sie wollten vor allem Priester werden und zwar in einer Zeit, die gesellschafts- und kirchenpolitisch sehr unruhig und aufregend war und neue Ausrichtungen suchte. Die aufbegehrende 68-er Generation wühlte bis in die Anfänge der 70-er Jahre Politik und Bevölkerung auf und die langsame Annahme und Umsetzung der Konzilsbeschlüsse sorgte gleichzeitig in der Kirche für Aufbruch und Verunsicherung. In dieser Zeit sprachen Sie Ihr Adsum. Heute nach 40 Jahren fällt Ihr Priesterjubiläum wiederum zumindest kirchenpolitisch in eine aufgewühlte, nach Orientierung suchende und ringende Zeit. In einem besonderen Fokus steht dabei der rar gewordene Priester, auf den darum die Kirche  den Blick des Volkes Gottes durch die Ausrufung des Priesterjahres gezielt richten wollte. Unerschütterlich haben Sie im Auf und Ab dieser 40 Jahre Ihr Priesterdasein gelebt und damit auch in Ihren Gemeinden das Bild vom Priestersein geprägt. Seelsorger sein, mit Ihren Pfarrgemeinden regelmäßig die Eucharistie feiern, das ist Ihnen wichtig und dafür nehmen Sie auch viele persönliche Einschränkungen gern in Kauf. Eines der ältesten Bilder in der Hl. Schrift für den Priester/Vorsteher, das Bild des Hirten, haben wir heute in Evangelium und Predigt meditiert und betrachtet. Der Hirte hat über seine Herde zu wachen, dass sie nicht auseinander läuft, nicht in die Irre geht, ihr von außen nichts zustößt, sie genügend und richtige Nahrung findet. Der Hirte ist nicht der Mittelpunkt der Herde, sondern der, der auf dem Weg zum gemeinsamen Ziel vorangeht. Vorangehen, sammeln, nicht in die Irre gehen lassen, Einzelnen nachgehen, sie zurückführen, so lässt sich Ihr Priestersein umschreiben. Sie verstehen sich weniger als Therapeut, sondern Sie versuchen, den Menschen für das Wirken Gottes zu öffnen und treten hinter Gott zurück. Das besondere Merkmal Ihres priesterlichen Tuns ist das leise, zurückhaltende, vorsichtige Wirken. Besonders in Einzelkontakten sind Sie der emphatische Hirte, der Fragende, Suchende, Zweifelnde, Zurückkehrende nicht überfordert, sondern ihnen Brücken baut und sie erfahren lässt, dass das Zentrum des Christlichen und der christlichen Gemeinschaft der Gott der Liebe ist. Das wissen viele Menschen sehr zu schätzen, die darum ganz bewusst das seelsorgerliche Gespräch mit Ihnen suchen. Das ist es, was das Volk Gottes von ihren Priestern erwartet, bei ihnen sucht man nicht den Magier, der eine besondere Erwählung und Gottesnähe demonstriert, sondern den geistlichen Bruder, der – immer wieder selbst um Vertiefung seines Glaubens ringend – uns stützt und stärkt auf unserem Weg zu Gott in der Nachfolge Christi. Dass Sie Ihr Priestersein so verstehen, dafür danken wir Ihnen.


Dominik Ball,
PGR-Vorsitzender von St. Verena/Dettingen-Wallhausen

Wir haben gehört, welche Erwartungen, Aufgaben und Bedürfnisse an Sie, Herr Pfarrer Zimmermann, als Priester und Leiter einer Kirchengemeinde bzw. Seelsorgeeinheit gestellt werden. Doch jetzt lassen wir mal den Pfarrer weg - wie sieht es denn mit den Wünschen, Hoffnungen und Bedürfnissen „des Bernd Zimmermann“ aus? Hier ist – leider – nur wenig bekannt. Alle oder fast alle hier kennen Sie als Menschen, der sich voll in den Dienst seines Berufs gestellt hat, bzw. noch immer stellen lässt. Dafür sagen wir unter anderem heute natürlich Danke. Doch in allen anderen Berufen – außer vielleicht noch dem des Politikers – darf man sich in Ihrem Alter schon längst über den wohlverdienten Ruhestand freuen: Vor allem das tun, was einem gefällt, sich einen lang ersehnten Wunsch erfüllen, die Jungen ihre eigenen Erfahrungen machen lassen, sich einem Hobby widmen. Was davon würde wohl „der Bernd Zimmermann“ machen? Würde er gerne alleine oder in einer Gruppe eine Bergwanderung machen, künstlerisch aktiv werden, in ferne Länder reisen, Briefmarken sammeln, oder etwas ganz anderes tun? Ich weiß es nicht. Mir ist lediglich zu Ohren gekommen, dass Sie wohl Schildkröten besitzen. Aber ob das ein tageerfüllendes Hobby ist, kann ich mir nicht vorstellen. Doch wir haben letztes Jahr erlebt, wie schwer es „dem Bernd Zimmermann“ fällt, einmal Abstand von seiner Berufung als Pfarrer zu nehmen. Und hier war es nicht einfach, mal kürzer zu treten, aber gesundheitliche Probleme ließen Sie eine Zwangspause einlegen. Wer mit Ihnen zusammenarbeitet, weiß, dass bei einzelnen Entscheidungen Ihr unbedingter Wille für die Sache durchkommt, die Sie für richtig halten. Da ist es manchmal schwer, den eigenen Standpunkt zu wahren und gemeinsame Kompromisse zu finden. Doch sind Sie genauso standhaft und konsequent, wenn es mal um die Interessen „des Bernd Zimmermann“ geht? Herr Pfarrer Zimmermann, wenn man Sie in einem Satz beschreiben sollte, würde ich den Bibelspruch heranziehen, wo Jesus Gott um den Gefallen bittet, dass dieser Kelch an ihm vorübergehen möge. Jesus ergänzt: „Doch nicht so wie ich will, sondern wie Du willst.“ Eine solche Eigenschaft ist bewundernswert. Und trotzdem wünsche ich / wünschen wir Ihnen, dass Sie auch öfter mal Ihre eigenen Interessen vertreten und voranstellen – und zwar Ihre eigenen Interessen als Mensch „Bernd Zimmermann“ und nicht immer nur als Pfarrer Zimmermann. Lassen Sie öfter mal in Ihrem eigenen Interesse sich los. Und ich bin mir sicher, dass es andere Menschen und andere Wege gibt, die die Dinge im Fluss halten. Sie haben es sich nach 40 Jahren im Dienst der Kirche verdient. So schlagen am Ende unserer kleinen Ansprache zwei Herzen in unserer Brust. Wir wünschen Ihnen zum einen natürlich noch einige Jahre in Ihrem geliebten Beruf als Priester, aber auch mehr Zeit und mehr genutzte Freiheiten als Mensch, um die Zeit auf Gottes Erde genießen zu können. Dazu Gesundheit und Gottes Segen und für Sie und uns heute ein schönes Fest, das Sie uns ermöglicht haben.