Rückblick 2008

Unsere Gemeinden übernehmen die Spielgruppen

Sehr überraschend kam die kurzfristige Kündigung des Kinderschutzbundes für die betroffenen Eltern und ihrer Kinder sowie für deren Betreuerinnen in den Spielgruppen der drei Gemeinden Dingelsdorf, Dettingen und Litzelstetten.

Die Eltern sowie die drei Ortsvorsteher Heinrich Fuchs, Roger Tscheulin und Rudolf Riedle kamen auf Pfarrer Bernd Zimmermann zu mit der Bitte, Hilfe zu leisten und möglichst schnell eine kirchliche Trägerschaft zu übernehmen. Als katholischer Pfarrer für alle diese drei Gemeinden sah ich die Not als Seelsorger und zeigte grundsätzlich die Bereitschaft, sah aber auch dabei die finanziellen und rechtlichen Schwierigkeiten; die mussten schnell geklärt werden.

So kam es zu zahlreichen Gesprächen, die der Geschäftsführer der Gesamtkirchengemeinde Dieter Gräble mit den Vertretern der Stadtverwaltung und des Erzbischöflichen Ordinariats führte. Als Pfarrer klärte ich die kirchliche Übernahme der Erzieherinnen.

Die  Zustimmung von Seiten der Stadt sowie vom Erzbischöflichen Ordinariat folgte dann. Jetzt können die Spielgruppen bestehen bleiben und von den Frauen weitergeführt werden, die bisher für den Kinderschutzbund tätig waren. Durch die schnelle Entscheidung, worüber alle Beteiligten sehr glücklich sind, können ununterbrochen die Spielgruppen weiterbestehen. Sie unterstehen jetzt dem jeweiligen katholischen Kindergarten mit ihrer Leitung. Damit erweitert sich der katholische Kindergarten St. Peter und Paul in Litzelstetten um zwei Gruppen, jetzt zu vier Gruppen; der Kindergarten St. Verena in Dettingen ebenfalls um zwei Gruppen, jetzt zu sechs Gruppen und der Kindergarten St. Nikolaus in Dingelsdorf um eine Gruppe, jetzt zu vier Gruppen. Der Kindergarten St. Nikolaus ist zusammen mit der Grundschule Dingelsdorf bereits seit dem Frühjahr 2008 als Modellprojekt „Bildungshaus“ anerkannt.

Bernd Zimmermann, Pfarrer

Warum engagieren wir uns im Kindergartenbereich

In unserer Seelsorgeeinheit Konstanzer Bodanrückgemeinden sind drei Kindergärten in Dettingen, Dingelsdorf und Litzelstetten in katholischer Trägerschaft. Warum investieren wir als Kirche Gelder der Mitglieder und viele Stunden ehrenamtliches Engagement in dieses Arbeitsfeld? Solche Fragen stellen schon etliche  Gemeindemitglieder: „Sollen wir unsere Steuergelder auch denen zukommen lassen, deren Eltern aus der Kirche ausgetreten sind und die ohne Zuschläge gar profitieren? Wozu, warum, wieso schlagen wir uns andauernd durch den Dschungel von weit über hundert Normen, Gesetzen, Verordnungen und Dokumenten, die das Arbeitsfeld „Kindergarten“ regulieren von A wie Allgemeines Gleichstellungsgesetz bis Z wie Zielvereinbarungsformular? Wieso, wozu, warum ärgern wir uns mit tropfenden Wasserhähnen, wackelnden Klettergerüsten oder den Widersprüchen zwischen Brandschutzerfordernissen und Unfallvermeidungsvorschriften herum, ringen um Lösungen bei Teamkonflikten, Elternbeschwerden, Personalquerelen? Engagieren uns in Bedarfsplanungsgesprächen mit der bürgerlichen Gemeinde, verhandeln über Finanzierungen, Baupläne und Sozialraumkonzepte? Wozu? Wieso?

Im Rahmen einer Leitbildentwicklung für unsere Kindergärten haben auch wir uns aktiv gemeinsam in den Bodanrückgemeinden damit auseinandersetzt und uns aktuell und bewusst und neu dafür entschieden, festzuhalten an diesem aufwändigen, arbeitsintensiven und häufig auch konfliktträchtigen Engagement im Kindergartenbereich. Nicht aus Tradition und Gewohnheit, nicht aus Prestige und Eigennutz, auch nicht, weil der Kindergarten für die eigene Pfarrei da ist.

Was ist dann also noch die Motivation für das große Engagement unserer katholischen Träger für den Kindergartenbereich?
Dazu versuche ich als kirchlicher Träger folgende Antwort:

  •  Weil wir einen Glauben haben, der uns in jedem Kind und jedem  Erwachsenen das Ebenbild Gottes erkennen lässt.
  • Weil wir einen Glauben haben, der uns die bedingungslose Liebe eines gnädigen Gottes verspricht.
  • Weil wir einen Glauben haben, der uns nicht nur zur  Hoffnung befreit, sondern auch in die Pflicht nimmt.
  • Weil wir einen Glauben haben, der uns herausfordert, so zu handeln, dass jedes Kind und jeder Erwachsene in der Begegnung mit uns den Grund unserer Hoffnung und die  Liebe unseres Gottes spüren und erfahren kann.
  • Weil wir einen Glauben haben, der uns herausfordert, „heilende“ Gemeinschaft zu sein und Orte des Friedens und  der Gerechtigkeit in einer immer noch unheilen Welt zu schaffen.
  • Weil Jesus ein Kind in die Mitte dieser Gemeinde gestellt hat und die Kinder mit ihren Eltern auch unsere christliche Gemeinde kennen lernen können.
  • Weil einer des anderen Last trage?
  • Weil sich jede Mühe lohnt, um die Botschaft Jesu in unsere  Welt zu tragen.

In der Qualitätsdebatte der letzten Jahre wird eine zentrale Dimension, welche für die „Güte“ einer Dienstleistung, also ihre Qualität, maßgeblich ist, mit dem Begriff „Orientierungsqualität“  beschrieben. Damit werden die Visionen und Werte, die handlungsleitend für die Organisation und deren Mitarbeiter(innen) sind, bezeichnet. Mit Sicherheit gehört die Orientierungsqualität katholischer Träger mit zu den anspruchsvollsten und herausforderndsten Anforderungen an alle Beteiligten. Dieser Anspruch kann nicht einfach nur gesetzt und eingefordert werden. Er erfordert eine Aus- und Weiterbildung der Verantwortlichen und Mitarbeiter(innen) und eine kontinuierliche Begleitung, die es ihnen ermöglicht, solchen Anspruch zunächst selbst auch als Zuspruch  erfassen und zu erfahren, um ihn dann schließlich auch als Anspruch einzulösen. Es erfordert eine Kultur der Wertschätzung nicht nur in der Beziehung Erzieher(in) – Kind, sondern auch in den Beziehungen zwischen Pfarrgemeinde, Dienstgebervertreter(innen), Mitarbeiter(innen)und Eltern.

Lesen Sie zur Orientierung und zu Ihrem Einblick das von uns erarbeitete Leitbild der Träger der Kindergärten der Konstanzer Bodanrückgemeinden!

Bernd Zimmermann, Pfarrer