Christoph Paar tritt ins Priesterseminar ein

Aus den Zeitungsberichten des Südkurier:

Vom Schülersprecher zum Pfarrer
Christoph Paar aus Dingelsdorf-Oberdorf ist seit Oktober im Priesterseminar Freiburg. Eigentlich hatte er alle Voraussetzungen für eine politische Karriere: Christoph Paar engagierte sich im Konstanzer Schülerparlament (KSP). Der damalige Schülersprecher des Humboldt-Gymnasiums war zudem als stellvertretender
Vorsitzender des Landesschülerbeirats und auf Bundes- und Europaebene tätig. Doch der 21-Jährige aus Dingelsdorf-Oberdorf hat eine ganz andere Richtung eingeschlagen: Er möchte katholischer Pfarrer werden. „Das wird ein verdammt steiniger Weg, aber Gott wird mir dabei helfen.“

Es ist heute selten, dass junge Menschen den Priesterberuf anstreben. Bei Christoph Paar deutete ebenfalls wenig darauf hin: Er war zwar Ministrant in Dingelsdorf, hat schon in Gottesdiensten als Organist ausgeholfen und seine Familie ist ebenfalls in der Kirche engagiert. Doch sein Leben bestimmten die Aktivitäten auf Schulebene, Tennis spielen, Klavierunterricht oder als Skilehrer beim Skiclub Konstanz. So entschied er sich nach dem Abitur für ein Studium der Politik und Verwaltungswissenschaft an der Uni Konstanz. Das ging ganze zwei Semester lang, dann stand für ihn fest: Er will Priester werden. Erste Überlegungen reiften bereits nach dem Abitur, aber er habe noch keinen großen Drang verspürt, erzählt der junge Mann mit den wachen Augen.

Der Wendepunkt dürfte ein Taizé-Jugendtreffen in Zagreb zum Jahreswechsel 2006/2007 gewesen sein, damals sprach er mit einigen Patres und Theologiestudenten höherer Semester. Seinen Freunden und Verwandten erzählte er aber nichts von den Überlegungen: „Ich wollte mich nicht beeinflussen lassen.“ Letztendlich müsse man dies mit sich und Gott ausmachen. Selbst die Eltern hat er schließlich vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie seien überrascht gewesen, aber zufrieden mit seiner Entscheidung. Nun werden Christoph Paar sehr intime Fragen gestellt. Manche unterstützen seine Absicht, andere können sie nicht verstehen. Vor allem der Zölibat sorge für Skepsis. „Ich habe mich natürlich auch gefragt: Kann ich das durchhalten?“ Wenn man den Zölibat aber bewusst lebe und Sinn darin sehe, sei er auszuhalten, ist er sich sicher. Er wisse von den Selbstzweifeln, so gebe es angehende Pfarrer, die aufhören, heiraten und dann Pastoralreferent oder Diakon werden.

Seit Oktober ist er nun mit 27 Brüdern im Priesterseminar in Freiburg. Nach einem halben Jahr Vorbereitungszeit geht es bald richtig los. Vor Christoph Paar stehen zehn Semester Theologiestudium an der Universität und ein Praxissemester. Nach dem Abschluss mit Diplom folgen die Diakon- und zuletzt die Priesterweihe. Insgesamt wird die Ausbildung siebeneinhalb Jahre dauern.

Südkurier 26. Jan. 2008

Ein weiterer Bericht folgte nach einer Israel-Reise:

Bibel-Lektüre und Wüstentour
Konstanzer Priesteramtskandidat Christoph Paar für neun Wochen in Israel unterwegs – Schneefall in Nazareth.
Im Rahmen seines Studiums befand sich der Konstanzer Theologiestudent Christoph Paar für 63 Tage im Heiligen Land. Gemeinsam mit weiteren 25 Priesteramtskandidaten aus Freiburg, Mainz und Essen war er dort auf den Spuren Jesu unterwegs. Hier sein Erfahrungsbericht aus Israel:

Eine der ersten Nachrichten aus dem Heiligen Land lautete: „Es schneit!“ – nach 16 Jahren der erste Schneefall in Nazareth. Und damit nicht genug: Stromausfälle, kein warmes oder überhaupt kein Wasser, Feilschen am Bazar, und das Wort „Norm“ scheint nicht zu existieren. Die Unterbringung im arabischen Viertel Nazareths bot uns Bibelschülern nicht nur die Möglichkeit, mit Christen vor Ort in Kontakt zu treten, sondern auch ihre Lebensumstände am eigenen Leib mitzuerleben. Gerade in diesen Situationen hat man die infrastrukturellen Unterschiede zwischen muslimischen und jüdischen Stadtteilen gemerkt: Europäischer Standard versus Stromausfall und kaltem Wasser! Doch mit steigenden Temperaturen (bis zu 30 Grad) und handwerklichem Geschick ließen sich auch diese Probleme lösen und alle Studenten wohlbehalten und braungebrannt zurückkehren.

Die meiste Zeit verbrachten die Bibelschüler mit dem Lesen der gesamten Heiligen Schrift. Die Bücher des Alten und Neuen Testaments boten dabei ein hohes Lesepensum. Ungeachtet dessen war es etwas ganz Besonderes, die Worte in jenem Land und an jenen Stätten zu lesen, an denen sie sich ereignet haben. Wir konnten nicht nur davon lesen, sondern selbst erfahren, wo das Wort Fleisch geworden ist. Ich betrachte nun die Bibel aus einer anderen Perspektive. Neben dem Bibelstudium bot sich für uns Theologiestudenten die Möglichkeit, die Heiligen Städte und Stätten zu besichtigen: Jerusalem, Bethlehem, Nazareth, See Genezareth, Berg Tabor. Doch meistens realisiert und begreift man erst einige Tage später, dass man tatsächlich mit seinen eigenen Füßen dort war, wo auch schon Jesus gelebt und gewirkt hat. Dort dann die Kar- und Ostertage zu feiern war die Krönung des Israel-Aufenthaltes. Mit Beginn der Osterliturgie um 4 Uhr steckte die Müdigkeit zwar noch in den Knochen, die Feier der Osternacht mit den Benediktinern war dessen ungeachtet außergewöhnlich und eindrucksvoll.

Insbesondere die bewusst gelebte und gezielt ausgerichtete Fastenzeit bot eine intensive Vorbereitung und Feier der Fasten- und Osterzeit. Wie erlösend erscheint da plötzlich ein einfaches Halleluja. Am imposantesten war jedoch die einwöchige Wüstentour im Sinai-Massiv. Fünf Tage lang marschierten wir rund um das Katharinenkloster mit Aufstiegen auf den Mose- und Katharinenberg, begleitet von Beduinen. Das Hotel der 1000 Sterne mit Toilette hinter dem nächst größeren Stein – so lässt sich die Schlaflokalität umschreiben. Ziel der Wüstentage war es, in Stille und Einkehr über den eigenen Berufungsweg nachzudenken und im intensiven Gebet die Nähe Gottes zu suchen. Es gibt dort nichts, das einen ablenken kann, kein Geräusch, Fernseher, Internet; keine Aufgaben, die man erledigen muss. Eine einzigartige Chance: Abseits der Gruppe dort auf einem Felsen sitzend gibt es lediglich zwei Personen: Gott und dich! Und so gehe ich mit neuen Impulsen aus der Wüste heraus und bin in meiner Entscheidung, den Priesterberuf anzustreben, gefestigter denn je.

Südkurier 30. April 2008