Missionar Wilhelm Stader aus Mancio Lima/Brasilien schreibt

Wer sich im Glauben auf Jesus einlässt darf erfahren, dass es sich auch in einer zunehmenden Spaß- und Erlebnisgesellschaft noch lohnt, den christlichen Weg der Hingabe und Liebe zu gehen, auch wenn die Götter unserer Zeit in nachhaltiger und aufdringlicher Weise versuchen, die permanente Triebbefriedigung des EGO als ein neues und verlockendes „Evangelium“ zu verkünden.

Selbst hier im abgeschotteten Urwald hinterlässt diese neue Welle seine nachhaltigen Spuren. Gewalt- und Respektlosigkeit vor der Würde des Mitmenschen nehmen zu und schreiben bedenkliche Zahlen. Sechs vorsätzliche Tötungsdelikte und 210 registrierte Fälle von Körperverletzung als Konsequenz von Betrunkenheit und Drogenkonsum! Immer sind Alkohol und Drogen mit im Spiel. Unsere Pfarrgemeinde führt in diesem Jahr wieder eine Antidrogenkampagne durch mit den Jugendlichen aller Schulen unserer Pfarrei in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei und der Staatsanwaltschaft.

Jeden Mittwoch transportieren wir zwei Schulklassen in unser Pfarrzentrum, wo die Jugendlichen durch Vorträge und Videomaterial in die Drogenproblematik eingeführt werden, um sich nach einem guten Vesper noch tiefer mit der Materie in Kleingruppen auseinandersetzen zu können. Das Echo von Seiten der Schüler ist sehr positiv und inzwischen beginnt auch das staatliche Schulamt, sich für unser Antidrogenprogramm zu interessieren.

Ein weiterer und kühner Schritt in dieser Richtung ist der Plan, in unserer Pfarrei ein Rehabilitationszentrum für Drogensüchtige zu errichten nach dem Modell der „Fazenda de Esperanca“, die Papst Benedikt XVI. bei seiner Reise nach Brasilien in Sao Paulo besucht hat. Wir haben bereits 70 Hektar Land erworben und vier junge Menschen befinden sind in Ausbildung, um dieses Projekt Wirklichkeit werden zu lassen.

Das herausragende Geschehen in unserer Pfarrchronik war jedoch das feierliche Kirchweihfest unserer neuen Pfarrkirche zu Ehren des Hl. Franziskus am 30. September. Sie wurde so gründlich saniert, dass im Grunde nichts mehr von der alten Kirche übrig blieb als der Turm – die Vorder- und ein kleiner Teil der Hinterwand Kirche. Den alten und imposanten Dachstuhl konnten wir retten und nachdem die Vertäfelung entfernt wurde, die sowieso nur den Fledermäusen als Unterschlupf diente, kam das alte Dachgebälk erst wieder richtig zur Geltung. Ein volles Jahr bauten wir mit unseren Pfarrarbeitern an dieser Kirche, was aber nur deshalb möglich war, weil wir massive Unterstützung aus Deutschland erhielten. (...)

In der kleinen Gemeinde Iracema konnten wir ein Haus für die Kinder- und Jugendpastoral bauen, um auch dort Nähkurse für schwangere Frauen und allein stehende Mütter durchführen zu können, wie wir es in den größeren Gemeinden schon über Jahre hin tun. Es würde zu weit führen, alle Arbeiten im Einzelnen aufführen zu wollen, aber es sei doch dankend erwähnt, dass unsere Sozial- und Missionsarbeit im Inneren des Landes nicht durchführbar wäre ohne Hilfe aus Deutschland. Allen, die unsere Arbeit durch Gebet und finanzielle Hilfe unterstützen, sage ich ein herzliches Vergelt’s Gott im Namen unserer Pfarrgemeinde. (...)

(Aus dem Brief vom 3. Dez. 2007)