Rückblick 2007

Volapük und sein Erfinder Joh. Martin Schleyer

November 2006 wurde im Rathaus eine kleine Ausstellung eröffnet mit dem Thema "Volapük und sein Erfinder Joh. Martin Schleyer". Bei dieser Eröffnung sang unser Kirchenchor die Volapük - Hymne, die J. M. Schleyer komponiert hat.

Joh. Martin Schleyer, nach dem auch unsere Hauptstraße benannt ist, war von 1875 bis 1885 Pfarrer hier in Litzelstetten. Hier kam es zu seiner bahnbrechenden Erfindung, die Kunstsprache Volapük.
Der Person J. M. Schleyer - sein Lebenslauf ist sehr interessant - und der Kunstsprache Volapük ist die Ausstellung gewidmet.

Joh. Martin Schleyer ist am 18.7.1831 an einem Sonntag in Oberlauda, in der Nähe von Tauberbischofsheim, geboren. Er hatte noch 4 Geschwister. Sein Onkel entdeckte seine vielseitigen Talente. Er durfte daraufhin das Gymnasium in Tauberbischofsheim besuchen. Dies bedeutete im Sommer 1 ½ - 2 Stunden Schulweg morgens hin und 1 1/2 - 2 Stunden zurück. Obwohl er 3 Klassenstufen übersprungen hatte, holte er sich Schulpreise. Der junge Kerl muss sich mit Feuereifer auf das Bildungsangebot gestürzt haben.
Er zeigte sich als sehr begabter, zielstrebiger, begeisterungsfähiger, wissbegieriger Jugendlicher. Seine Leidenschaften waren Musik, Sprachen, Literatur, auch Naturkunde. Er dichtete Hymnen und Oden und schrieb Legenden. Die beiden letzten Gymnasialjahre waren in Karlsruhe. Hier das gleiche Bild: Er übersprang eine Klasse und erhielt dennoch Preise. Um seinen kargen Lebensunterhalt aufzubessern, gab er Nachhilfeunterricht und machte Organistendienste. Es treten Charakterzüge zutage, die auch sein späteres Leben kennzeichnen: Hohe Begabung, Interesse für Sprachen, Musik, Literatur und Dichtung, mit starkem Willen und Energie und Durchsetzungsvermögen, in seiner Arbeit ein Einzelkämpfer.
Zum Studium ging er nach Freiburg. Er wollte Priester werden. Bei den Vorlesungen begnügte er sich nicht mit Theologie. Er belegte noch Philosophie, Philologie, Geschichte, auch Medizin.
Im letzten Jahr seiner Priesterausbildung war er in St. Peter im Schwarzwald, wo er am 5.8.1856 , also vor genau 150 Jahren , zum Priester geweiht wurde. Es folgten Vikariatsstellen in Sinsheim, Baden-Baden, Wertheim mit sehr viel seelsorgerlicher Arbeit. Aber Zeit und Kontakte zum Sprachenlernen fand er allemal. Nach 5 Jahren Meßkirch erhielt er 1867 die erste Pfarre in Krumbach. Es ist die Zeit des Kulturkampfes. Da er nicht zu den Duckmäusern zählte, gab es Konflikte. Nach einem Romaufenthalt, bei dem er persönlich von Papst Pius IX empfangen wurde, - bei diesem Aufenthalt in Rom wurde er gebeten, die Orgeln der 7 Hauptkirchen neu zu stimmen - wurde er bei der Rückkehr in Krumbach verhaftet. Er musste eine 4 monatige Festungshaftstrafe in Rastatt antreten; das war 1875.
Joh. Martin Schleyer wurde daraufhin als Pfarrer nach Litzelstetten versetzt. Am 17.12.1875 trat er hier seinen Pfarrdienst an. Litzelstetten zählte 251 Einwohner, die sich auf 40 Häuser verteilten.
Jetzt fand er Zeit zum Dichten und Sprachenstudium. Er begann mit der Herausgabe der Zeitschriften "Sionsharfe" und "Goldkörner für kath. Prediger". Er führte mit der Gemeinde Passionsspiele auf. In seine Litzelstetter Zeit fallen Familienfeste und sein silbernes Priesterjubiläum.
Am 31. März 1879 erfand er seine Kunstsprache Volapük.
Schleyer muss ungeheuer viel gearbeitet haben. 1881 und 1883 , jeweils sinnhafterweise zu Pfingsten, veranstaltete er auf St. Katharinen Deklamationsfeste mit Beteiligung junger Leute aus Litzelstetten, Wollmatingen und Allmannsdorf. 800 bis 1000 Personen waren anwesend. Es wurde in 20 Sprachen deklamiert und musiziert. Auf einen Beleg für die Musikbegeisterung Schleyers ist man beim Durchstöbern der alten Noten des Kirchenchors gestoßen. Es fanden sich 4 Liedmappen - für jede Stimme eine - die z. T. von Schleyer handgeschrieben sind. Übrigens wollte er auch die Notenschrift vereinfachen. Er ersetzte die Noten durch Zahlen.
"Die ersten 7 Jahre in Litzelstetten waren die schönsten meines Lebens", schrieb J.M. Schleyer im Rückblick.
1885 wurde Schleyer wegen seiner angegriffenen Gesundheit pensioniert. Er zog nach Konstanz in die Schottenstr., wo ein Relief am Haus an Schleyer erinnert. 1889 erlebte er dort den Höhepunkt von Volapük, aber auch den Niedergang. Er zog sich zurück, grollend. Er schrieb noch viel.
Am 16.8.1912 starb er. Die Zeitung "Konstanzer Nachrichten verbreitete diese Nachricht in Konstanz mit einem Extrablatt, in dem seine Offenheit und Herzensgüte und die Zuwendung zu den Mitmenschen, aber auch seine intellektuellen Leistungen gewürdigt wurden.

Wie oben erwähnt, erfand Joh.Martin Schleyer 1879 die Kunstsprache Volapük. Aus seinem Tagebuch: "Am 31. März 1879 stellte ich dann zum ersten Male die Hauptgrundzüge meiner Grammatik schriftlich zusammen." Schleyer machte sich mit Feuereifer an die Arbeit. Seine Sprache konstruierte er nach bestimmten Prinzipien:

  • Bei der Wortschöpfung lehnte er sich stark an die englische Volkssprache an.
  • Die Stammhauptwörter sollen einsilbig sein; daraus sollen sich systematisch weitere Wörter ableiten und bilden lassen. D. h. mit einem Wort erschließt sich eine ganze Wortfamilie und zwar über Nachsilben oder vorangestellten Buchstaben.
  • Die Grammatik duldet keine Unregelmäßigkeiten. Für die verschiedenen Zeiten wird ein Buchstaben vorangestellt. Entsprechend sind alle Deklinationen gleich. Die ganze Grammatik ist schematisch bis in die Verästelungen geregelt.

In der Literatur wird behauptet, dass man in 4 Wochen diese Sprache lernen könne.
Schleyer arbeitete besessen an seiner Idee. Er feilte die Sprache aus, schöpfte neue Wörter, er veröffentlichte Grammatiken und Wörterbücher mit rasch aufeinanderfolgenden überarbeiteten Neuauflagen.
Nach 10 Jahren zählte Volapük 1,5 - 2 Mill. Anhängern in aller Welt, 1500 Sprachvereine mit den zugehörigen Sprachlehrern.
Was löste diese Woge aus?
Es muss in dieser Zeit etwas in der Luft gelegen haben, das die Entwicklung von Plansprachen zu einem dringenden Anliegen machte.
Es gibt kein Radio, kein Fernsehen, 3 Jahre zuvor, 1876, war das erste Telefon entwickelt worden - von Verbreitung keine Rede. Und dennoch hat J. M. Schleyer durch die Zeitung mitbekommen, was draußen in der Welt geschah. Schleyer reiste auch gern und viel: nicht nur nach Rom, auch nach Wien, nach Ungarn, in die Schweiz und zur Kur nach Belgien an die See, auch nach Mainz, Bonn, Köln und Aachen. Und: er benutzte die modernsten Verkehrsmittel - Bahn und Dampfschiff!
Er erkannte die Bedeutung technischer Erfindungen, sah die Folgen für die Menschen und beobachtete die politische und gesellschaftliche Entwicklung seiner Zeit. Seine Schlussfolgerung: "Durch die Eisenbahnen, Dampfschiffe, Telegraphie und Telephonie ist der Erdball zeitlich und räumlich zusammengeschrumpft." .. "Die Menschheit wird täglich kosmopolitischer und sehnt sich nach Einigung … auch in Bezug auf Sprache sollte sich das Brudergeschlecht der Menschen mehr einigen." Wie wir wissen, ließ und lässt diese Sehnsucht nach Einigung der Menschen auf sich warten, aber für Schleyer war sie wohl ein Traum, den er durch die Erfindung der Plansprache ‚Volapük' kräftig beflügeln wollte.

Dem atemberaubenden Aufstieg folgte ein ebenso rascher Niedergang. Dafür lassen sich Gründe benennen:

Die Wortbildungen waren z.T. sehr bizarr und für romanische Länder schier unaussprechbar.
Auch in der Grammatik wurden Änderungen vorgeschlagen,z. B. die verschiedenen Fälle in der Deklination nicht über die Endung, sondern über einen Artikel auszudrücken.
Es wurde eine stärkere Mitbestimmung eingefordert Diesen berechtigten Forderungen widersetzte sich sich Schleyer kategorisch. Alles hatte über ihn zu laufen. Er merkte nicht, dass er diese Aufgabenfülle nicht allein bewältigen konnte. Ihm war nicht bewusst, dass bei einer Sprache, die weite Verbreitung erfahren soll, auch viele mitreden. Es kam zu Zwistigkeiten. Treue Weggefährten der ersten Stunde und große Verfechter für eine Weltsprache wandten sich ab. Die Volapük-Gemeinde begann sich aufzulösen. Die geniale Idee wurde nicht fortentwickelt und verfiel. Bei Esperanto hatte man diese Fehler vermieden.
Es ist schon bemerkenswert, dass unser Litzelstetten für kurze Zeit ein Weltzentrum war. Viele Menschen erhofften sich durch die einheitliche, leicht erlernbare Sprache Volapük ein Verständigung unter den Völkern.

Zusammenfassung der Eröffnung
Heribert Baumann

Wechsel im Pfarrbüro Dettingen

Frau Elisabeth Fuchs in den Ruhestand verabschiedet

Ende des Jahres 2007 geht unsere langjährige Pfarrsekretärin Elisabeth Fuchs in den Ruhestand.

Sie wurde am 1. Okt. 1992 unter Pfarrer Konetschny als erste Pfarrsekretärin von Dettingen eingestellt. Seitdem war sie eine wichtige Ansprechpartnerin im Pfarrhaus Dettingen. Neben der Arbeit als Sekretärin und Redakteurin des Pfarrblattes war Frau Fuchs zahlreichen Menschen, die mit ihren Problemen ins Pfarrhaus kamen, eine geduldige, verständnisvolle Zuhörerin und Beraterin. Dabei war für sie ihre frühere berufliche Tätigkeit in der Sozialarbeit eine wertvolle Hilfe.

Nach Pfarrer Konetschny übte sie ihren Dienst im Pfarrbüro sechs Jahre bei Pfarrer Buekers und seitdem nun auch schon acht Jahre bei Pfarrer Zimmermann mit großem Engagement aus.
Für ihren umfangreichen und vielfältigen Einsatz, den sie sehr gewissenhaft erfüllte, ein herzliches Vergelt's Gott.


Ein neues Gesicht im Pfarrbüro Dettingen

Im Januar beginne ich meine Arbeit im Pfarrbüro als neue Pfarrsekretärin von Dettingen. In diesem Pfarrbrief möchte ich mich denjenigen, die mich bisher noch nicht kennen lernen konnten, vorstellen:
Mein Name ist Heidrun Winter. Ich bin 40 Jahre alt und wohne seit dem Studium der Verwaltungswissenschaften in Konstanz. Glücklich verheiratet und als Mutter dreier Kinder habe ich mich 15 Jahre lang der Familie gewidmet. Seit 11 Jahren wohnen wir in Dettingen. Durch die Kinder habe ich schnell Anschluss an die Gemeinde gefunden. Ich fühle mich wohl in der Gemeinde und die ehrenamtlichen Aufgaben bereiten mir viel Freude.

Während der Einarbeitungszeit in den letzten Wochen habe ich schon viele positive Eindrücke im Pfarrbüro sammeln können und freue mich auf die mir gestellten Aufgaben. Ich werde mich gerne um Ihre Anliegen kümmern und hoffe auf ein gutes Miteinander.