Filmstar Jesus Christus

ein Buch über Jesus-Filme von Thomas Langkau

Das Buch begann er eigentlich schon in der Kindheit. Er schreibt: "Als kleines Kind nahm mich meine Oma oft in die Kirche, und da mir beim Rosenkranzbeten doch etwas langweilig wurde, ging ich an den Seitengängen der Kirche entlang und betrachtete die Kreuzwegstationen an den Wänden", erinnert sich Thomas Langkau an den Kirchenbesuch damals in Pfullendorf. Aus der Neugier auf Bilder wuchs das Interesse an religiösen Filmen, besonders an den Arbeiten, die sich der zentralen Gestalt des Christentums widmeten: Jesus von Nazareth. So ist es nicht verwunderlich, dass Langkau dieses Thema mit einer Diplomarbeit krönt, mit der er das Studium der Religionspädagogik in Freiburg (FH) abgeschlossen hat.

Das Ergebnis ist respektabel. "Filmstar Jesus Christus" (LIT Verlag, Berlin) ist eine gründliche Arbeit über die Jesus-Filme ab 1990 geworden. Erst ab 1990? Diese Einschränkung musste der Autor vornehmen, weil der 36-Jährige sonst noch mehr Filmmaterial vor sich gehabt hätte, dessen Aufarbeitung schnell uferlos wird. Leider fällt der großartige Film von Piero Pasolini "Das Evangelium nach Matthäus" von 1964 aus dem Zeitrahmen. Dieses Meisterwerk wurde überwiegend mit Laiendarstellern gedreht (schwarz-weiß) und überzeugt durch seine bäuerlich einfachen Szenen und den Verzicht auf enorme technische Bauten.

Der Leser wird reich entschädigt. Ausführlich setzt sich Thomas Langkau mit der Regiearbeit von Mel Gibson auseinander. "Die Passion Christi" kam in der Fastenzeit 2004 in die deutschen Kinos, selten hat ein Jesus-Film die Kinogänger und die Kino-Meider derart provoziert, gespalten oder auch in ihrer Meinung bestätigt. Gibsons Film ist sicherlich der folgenreichste seiner Art. Nicht einmal "Das Leben des Brian", einer krassen Satire auf das Leben Jesu, war diese Resonanz beschieden, auch wenn die Schauspieler von Monthy Python nichts unversucht lassen, um zu provozieren.

Entsprechend viel Zeit und Raum gewährt der Autor diesem opulenten Werk. Er legt vor allem die Quellen für diese blutigste aller Passionsdarstellungen offen - im Vergleich dazu sind die Oberammergauer Festspiele kinderfreundlich. Ausführlich schreibt Langkau über die Visionen von Anna Katherina Emmerich sowie Maria von Agreda. Vor allem die mystischen Erlebnisse der ersten, einer Augustinernonne, wurden in das Drehbuch eingearbeitet. Die brutalen Details bei der Kreuzigung beispielsweise gehen auf diese deutsche Ordensfrau zurück. Gibson kennt deren Buch. Das heißt aber auch: Gibson setzte die schockierenden Details nicht eigenmächtig ein, sondern beruft sich ausdrücklich auf mystische Literatur des 18. Jahrhunderts. In dieser Perspektive gewinnt "Die Passion Christi" eine neue Deutung; dem Filmemacher geht es nicht (nur) um große Effekte und Hollywood, sondern um die radikale Darstellung eines radikalen Geschehens.

Offen lässt Langkau den Vorwurf des Antisemitismus im Film. Dafür kommen Verfechter dieses Vorwurfs zu Wort ebenso wie jene, die im Film keine judenfeindlichen Tendenzen finden. Deren Argument: Der gesamte Film ist mit Dramatik und krassen Figuren reich gesegnet, also dürfen auch die Juden in diese Szenen einer sich steigernden Wut einbezogen werden.

Thomas Langkau arbeitet als Gemeindereferent in der katholischen Seelsorgeeinheit Konstanzer Bodanrückgemeinden, Sitz in Dettingen. Deshalb macht er sich in seiner Arbeit auch Gedanken über die pädagogische Seite der Jesus-Filme. In seinem Fazit befürwortet er einen maßvollen Einsatz von Jesus-Filmen in der Katechese oder im Religionsunterricht. Auf unterhaltsame und oft eindrucksvolle Weise kann Kino auch Glaubensinhalte nahe bringen, ist Langkau überzeugt. Vor allem, wenn die Hauptdarsteller so stark und Jesus-ähnlich sind wie zum Beispiel Jim Caviezel in Mel Gibsons Werk.

(Bericht des Südkuriers am 18. Aug. 2007)