Ein Bildungshaus

Kindergarten St. Nikolaus und Grundschule Dingelsdorf

Der katholische Kindergarten St. Nikolaus und die Grundschule Dingelsdorf haben die "Standortgarantie" zum Bildungshaus erhalten.

An insgesamt 20 Standorten in Baden-Württemberg sollen Bildungshäuser als Modellprojekte starten. Unter "Bildungshaus 3 - 10" ist ein Kooperationsverbund zwischen Schule und Kindergarten zu verstehen. Sie sollen so verzahnt werden, dass eine durchgängige Bildungseinrichtung für Drei- bis Zehnjährige entsteht. Dass Dingelsdorf ausgewählt wurde, bezeichnet Ortsvorsteher Heinrich Fuchs als "Glücksfall". Keiner habe beim Einreichen der Bewerbung ernsthaft damit gerechnet, sagt er im Rückblick. Der Ortsvorsteher sieht in dem Zuschlag eine "Standortgarantie", schließlich ist das Projekt auf sieben Jahre angelegt. "In dieser Zeit kann uns die Grundschule nicht genommen werden", freut er sich. Angesichts der sinkenden Zahl von Kindern haben die Dingelsdorfer um den Erhalt von Schule und Kindergarten, der in katholischer Trägerschaft ist, gebangt.

Trotzdem ist die Begeisterung noch nicht allumfassend, schließlich fällt der Start des Bildungshauses in Dingelsdorf in eine besondere Situation: Die bisherige Leiterin des Kindergartens, Petra Bosch, übergibt die Leitung am 29. August an ihre Nachfolgerin Annette Müller. Für die bisherige Rektorin der Grundschule, Waltraud Borowski, hat sich noch keine Nachfolge gefunden. Heidemarie Schaal wird die Schule im kommenden Jahr kommissarisch leiten. Angesichts dieser Umstände habe sich das Kollegium zunächst gegen eine Bewerbung entschieden, auf Drängen des Ortsvorstehers aber doch schnell die nötigen Unterlagen ausgearbeitet. Eine schnelle Reaktion war nötig, denn das Kultusministerium hatte das Projekt sehr kurzfristig ausgeschrieben. In der Folge musste Schul- und Jugendhilfeausschuss in einer eilig einberufenen Sitzung über die Teilnahme entscheiden.

Neben dem Duo aus Dingelsdorf hatten sich die Kinderhäuser Rappelkiste / am Rhein und die Grundschule Gebhard, das Kinderhaus Edith Stein, die Grundschule Sonnenhalde sowie der Kindergarten St. Verena und die Grundschule Dettingen (haben Bewerbung später zurück gezogen) beworben. Unter den Ausschussmitgliedern war die Teilnahme nicht unumstritten. Einige bezweifelten, ob ein Bildungshaus tatsächlich das ist, was die Konstanzer Schüler bräuchten. Bürgermeister Claus Boldt sprach sich für die Teilnahme aus. Er hatte vor allem die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund im Blick, weshalb die städtischen Kindergärten mit einem hohen Anteil von Besuchern mit Migrationshintergrund zur Bewerbung aufgefordert waren. Die städtischen Kindergärten hatten nun jedoch das Nachsehen. Warum gerade Dingelsdorf mit drei weiteren Duos im Regierungsbezirk Freiburg ausgewählt wurde, ist nicht klar. Landtagsabgeordneter Andreas Hoffmann (CDU) betonte, dass er sich für die Konstanzer Bewerbungen eingesetzt habe und sich für Dingelsdorf freue. Zu den Auswahlkriterien zählten laut Susanne Neib, Sprecherin des Kultusministeriums, regionale Gesichtspunkte, die Größe der Schule, der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund sowie besondere Profile von Kindergärten und Grundschulen. Derzeit arbeiten sechs Erzieherinnen und eine Auszubildende im Kindergarten St. Nikolaus in Dingelsdorf. Er kann 65 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren aufnehmen. Die Grundschule mit fünf Lehrerinnen wird im Jahr 2007/08 von 72 Schülern besucht. Ähnlich überstürzt wie die Aufforderung zur Bewerbung trifft nun auch die Zusage die Einrichtungen. Sie hängen derzeit in der Luft und warten auf weitere Unterlagen, denn in der Stundenplanplanung muss das Bildungshaus bereits berücksichtigt werden.

Bericht des Südkuriers am 31. Juli 2007