Carmen Straub berichtet von ihrer Ghana-Reise

Solarprojekt des Weltladens für Schüler

"Akwaaba" lautet der Willkommensgruß aus Ghana: ein Gruß aus Bildern und Geschichten, die Carmen Straub vom Weltladen Dettingen aus ihrer Afrika-Reise mitbrachte und nun im Rahmen der Fairen Afrika-Woche in den Dettinger Pfarrsaal trug. Sechs Wochen verbrachte sie in Ghana, nun erzählt sie von einem Land zwischen Aufgeschlossenheit und Rückstand - und von Lichtern, die Dettingen dort aufgehen lässt.

Ein Praktikum führte die Pädagogikstudentin Carmen Straub im Frühjahr nach Ghana. Dort reiste sie durch ein Land aus Küste, Savanne und Regenwald, von der Hauptstadt Accra aus bis hin zum Dettinger Wald - dem Dettinger Wald in Afrika, versteht sich: Die Pflanzung dieses Forsts initiierte 1999 die Beziehung zwischen dem Weltladen Dettingen und der ghanaischen Partnerschule im Ort Nyakrom. Nach der Stiftung von Schulbänken und einer Sanitäranlage bestückt der Weltladen nun die Schulkinder mit Solarlampen. Carmen Straub folgte einer Einladung der Schule und besah die Einrichtungen vor Ort - nun ließ sie knapp 50 Zuschauer in Wort und Bild ihrer Reise folgen.

Afrikanische Masken und Statuen reihen sich auf den Tischen des Pfarrheims, dazwischen eine Trommel und Schmuck. Früchte laden die Besucher zur Geschmacksprobe ein, sogar ein kleiner Affenbrotbaum fand seinen Platz in Carmen Straubs Ausstellung. Ihr wichtigstes Mitbringsel sind jedoch ihre Worte und Bilder, die sie auf Schauwänden ausbreitete und in ihrem Vortrag reiht. Ihre Begeisterung für das Land ist spürbar, die wohlkomponierten Fotos sprechen für sich. Die Gestalt von Ghana ist farbenfroh und lebenspraktisch durcheinandergewürfelt: Neben Bildern von schlichten Hütten und einer Moschee, in deren Mitte ein Baum erwächst, stehen europäische Kirchen und Kastelle, die von dunkleren Stunden der Kolonialzeit zeugen. Der heutige Einfluss von Europa ist sichtbar, wenn auch in Form von Überresten, die lebensfroh in das ghanaische Tagesleben eingegliedert werden. Ausgemusterte Trainingsanzüge westlicher Sportvereine gehören ebenso zur Mode wie afrikanische Wickelroben; ehemals westliche Fahrzeuge werden zu Bussen umfunktioniert, sogar ein Krankenwagen dient nun dem Personenverkehr. "Wir erkennen die deutschen Autos daran, dass so lange Namen draufstehen", erklären die Ghanaer.

Glaube ist wichtig, egal welcher; Krokodile können heilig sein. Eines durfte Carmen Straub zum Streicheln anlocken, und dann ... "... hatte ich Angst", lacht die Studentin. "Ich weiß jetzt nicht mehr, warum ich es gemacht habe." Eingefärbte pinke Hühner laden zum Schmunzeln ein, die Kopf-Trage-Kunst erregt Staunen: Selbst eine Last von sieben gestapelten DVD-Spielern jongliert mancher Ghanaer unbeschwert auf seinem Haupt.

Ghana ist weltoffen, demokratisch und unabhängig, die Frauen gelten als gleichberechtigt. Dennoch plagen das Land Energieprobleme: Mehrmals wöchentlich muss der Strom abgeschalten werden, nach sechs Uhr ist es finster. So auch in der Partnerstadt Nyakrom, ein Ort von der Größe Dettingens mit allein 12 Grundschulen - nicht ungewöhnlich angesichts eines Kinder-Bevölkerungsanteils von 40 Prozent. Solarlampen sollen den Schülern nun die Abende erhellen: "Ein Licht für jedes Schulkind", ruft der Dettinger Weltladen aus. Jeder Einkauf über zehn Euro ermöglicht es, einem Kind eine Solarlampe zu stiften.

Die Aktion geht Hand in Hand mit der bundesweiten fairen Woche zum Motto "Afrikanissimo". Nach Straubs Vortrag stehen nun Afrika-Projekttage in der Dettinger Schule an.

Bericht des Südkuriers
am 22. Sept. 2007