Rückblick 2006

Pater Helmut Karrer SVD, Chile-Missionar, unerwartet verstorben

Ein gleichaltriger Studienfreund und Mitbruder von Pfarrer Bernd Zimmermann wurde überraschend in seiner Pfarrei Los Angeles / Chile in die ewige Heimat berufen. Er führte engen Kontakt mit der Gemeinde St. Peter und Paul. Das Altenwerk unter der damaligen Vorsitzenden Theresia Riedle übernahm im Jahr 1990 eine Patenschaft für ihn und seine Pfarrei, in der zahlreiche Arme mit Mahlzeiten versorgt wurden. Das Altenwerk St. Peter und Paul unter der Vorsitzenden Hannelore Huber hat die Verbindung mit ihm aufrecht erhalten und unterstützte ihn regelmöäßig.

Unvergesslich bleibt den Gemeindemitgliedern von St. Peter und Paul/Litzelstetten und St. Georg/Allmannsdorf die Feier des silbernen Priesterjubiläums im Jahr 1995, das er zusammen mit Pfarrer Zimmermann und Pater Noethe/Mexiko hier feierte, wo er eine handgemachte Stola der Frauen von Los Angeles überreichte.

Hier aus dem Nachruf P. Helmut Karrer aus Chile:

"Was einer ist, was einer war, im Tode wird es offenbar!" Auf das Leben von P. Helmut Karrer trifft dieses Wort ganz zu.

Los Angeles - Als P. Helmut Karrer am Morgen des 1. Juli 2006 nicht zum gemeinsamen Frühstück der Kommunität erschienen war, schaute sein Rektor, Graziano Beltrami SVD, nach ihm. Helmut lag tot im Bett. Nach Aussagen des Arztes war er 2 bis 3 Stunden vorher ruhig und friedlich eingeschlafen.

P. Helmut war ein stiller Mensch, der ohne großes Aufsehen zu machen, seinen Weg ging und seine Arbeit tat.

So schildert ihn sein Provinzial Carlos del Valle SVD:
"Ein guter Mensch hat uns plötzlich verlassen, ein vorbildlicher Ordensmann, ein eifriger Missionar und unermüdlicher Seelsorger ...
Im Laufe der vielen Jahre haben wir ihn erfahren als Bruder und Freund. Er wird uns sehr fehlen in der Ausbildungsgemeinschaft und in der Pfarrei von Los Angeles! Wir hatten uns so gewöhnt an seine schweigsame aber wirksame Gegenwart, an seine Nähe und Sorge immer für andere - nie für sich. Er war ein Mensch, der sich leicht selber vergaß, vor allem in seiner missionarischen Hingabe für die anderen. Wir fühlten in Helmut fast eine Scheu, auch einmal an sich selbst zu denken oder etwas für sich selber zu tun, für sein eigenes Wohl und seine Gesundheit zu sorgen. Ganz im Gegenteil, er schonte sich nicht, wenn es um seine Arbeit ging - weder in der Verwaltung noch in der Seelsorge!
In Helmut ist ein Strahl der Güte Gottes auf uns alle gefallen, die wir mit ihm lange Jahre zusammen sein durften in den Pfarreien S. Vicente, Osorno, El Pinar, Chacayal ... und in unseren SVD-Gemeinschaften, vor allem in den Schulen. Helmut war da, tat Gutes in aller Stille - auch uns tat er gut! Seine Güte wird uns fehlen!"

Helmut Karrer stammt aus Kißlegg, Allgäu. Als Zwölfjähriger kam er zu den Steyler Missionaren nach St. Johann, Aulendorf-Blönried; 1958 nach St. Wendel, wo er 196 mit dem Abitur abschloss. Danach begann er das Noviziat in Sankt Augustin, legte dort seine Ersten (1965) und Ewigen (1969) Gelübde ab.
Am 13. Dezember 1969 empfing er im Missionshaus St. Johann, Aulendorf-Blönried, die heilige Priesterweihe. Sein missionarischer Auftrag führte ihn nach Chile (1971), wo er in verschiedenen Pfarreien in der Seelsorge und in der Verwaltung arbeitete, immer treu und gewissenhaft, ohne großes Aufsehen zu machen. Ständige und freudige Dienstbereitschaft kennzeichnet seinen missionarischen Dienst in Chile. Wir sind ihm dafür dankbar.
Die Steyler Missionare danken auch seinen Angehörigen, seinen Freunden und Wohltätern für das Geschenk dieses Missionar. Mit ihm waren auch sie alle Missionare des Göttlichen Wortes in Chile.

Patrozinium Heilig Kreuz und Patrozinium St. Verena mit Bischof Emil Stehle

Eine große Freude bereitete Bischof Emil Stehle den Gemeinden St. Nikolaus und St. Verena im Jahr 2006, da er die beiden Patrozinien der Gemeinden mitfeierte. Schon im Jahr 2005 hatte er als Bischof in der Pfarrkirche St. Peter und Paul die Firmung für die Firmlinge der Bodanrückgemeinden gespendet. Als unerwartet wegen großer Zahl zwei Firmtermine benötigt wurden, war er sofort bereit, auch zweimal die Firmgottesdienste zu halten.

Im Jahr 2006 leitete er nun die Eucharistiefeiern mit Predigt an den Patrozinien Heilig Kreuz und St. Verena.

Bischof Emil Stehle, em. war von 1987 bis 2002 Bischof der Diözese Santo Domingo de los Colorados in Ekuador.

Zuvor war er vier Jahre lang Weihbischof in Quito. Seit seiner Emeritierung lebt Bischof Stehle wieder in seiner Heimat am Bodensee.

Emil Stehle wurde als achtes von neun Kindern 1926 in Mühlhausen, einem Ortsteil von Herdwangen bei Überlingen geboren. Nach seiner Priesterweihe am 24. Juni 1951 in Freiburg und einigen Kaplansjahren ging er 1957 als Seelsorger für die deutschen Katholiken in Kolumbien und Panama nach Bogota. 1969 wurde er Berater für das Bischöfliche Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat und übernahm 1977 die Leitung der Geschäftsstelle in Essen. Im Juli 1983 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof in Quito, der Hauptstadt von Ekuador. Auf Wunsch des Papstes blieb er aber zugleich Adveniat-Geschäftsführer und Sprecher der deutschen Priester in Lateinamerika.

Stehle gilt als engagierter Brückenbauer zwischen Deutschland und Lateinamerika und hat sich unter anderem durch seine mutige Vermitt-lungstätigkeit zwischen Guerilla und Regierung in Kolumbien in den 1970er Jahren einen Namen gemacht. Als Berater und langjähriger Hauptgeschäftsführer von Adveniat (von 1977 bis 1987) entwickelte er das Hilfswerk zu einem Forum des geistigen und religiösen Austauschs zwischen Europa und dem lateinamerikanischen Subkontinent. 2004 würdigte Ministerpräsident Erwin Teufel den Einsatz Stehles mit der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg.

St. Katharinen

Einsiedelei - Kloster - Ausflugslokal

Unter diesem Thema war im Rathaus Litzelstetten von Februar bis Ende Oktober 2006 eine kleine Ausstellung, die auf positive Resonanz stieß.
Den älteren Litzelstetterinnen und Litzelstettern ist St. Katharinen als Ausflugslokal in bester Erinnerung. Viele unbeschwerte Stunden hatten sie dort als Kinder verbracht. Für diejenigen, die nach Konstanz zur Arbeit oder zum Einkaufen oder zur Ausbildung gingen oder mit dem Fahrrad fuhren (es gab täglich nur zwei Busse) , war der Weg über St. Katharinen der kürzeste. Ein Teil der Bänke in unserer Kirche sind aus der ehemaligen Klosterkirche. Von dem Kloster St. Katharinen, auf einer Lichtung zwischen Wollmatingen und der Insel Mainau gelegen, steht nur noch ein Gebäude, das sogar zu verfallen droht. Es ist der traurige Überrest des ehemaligen Augustiner-Eremiten Frauenklosters St. Katharina.

1324 ist der Ort zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Danach hat der Abt des Klosters Reichenau einem Eremiten ein Haus und eine Kapelle übergeben, die zuvor Bruder Konrad Wurster und dessen Vorgänger innehatten. Spätestens ab 1436 lebten hier Klosterfrauen, anfänglich vermutlich als Beginen, also ohne ewige Gelübde. Dann schlossen sie sich dem Orden der Augustiner - Eremiten, einem Bettlerorden, an. Die Ordensregel der Augustiner ist die älteste Ordensregel und hat als Hauptanliegen Gemeinschaft und Gebet; sie geht auf Augustinus (396) zurück.

Dieses ärmliche Kloster wurde geistlich von der Pfarrei St. Martin, Wollmatingen, betreut, in weltlichen Angelegenheiten wie Rechtsprechung, Finanzen war es an den Deutschorden Mainau gebunden. Es lebten zwischen 10 und 15 Nonnen in dem Klösterchen. Landwirtschaft, Dienste auf der Mainau, Pflege von Kranken, Beherbergung und Verköstigung von Pilgern (St. Katharinen liegt am Pilgerweg) und die Mitgift von Novizinnen bildeten die kärgliche Lebensgrundlage.

Durch die Wirren der Reformation kam 1542 das wundertätige Kreuz von Bernrain in das Kloster St. Katharina. Dies wertete das Kloster beträchtlich auf. Es wurde zu einem regionalen Wallfahrtsort. Dieser Zuwachs an Bedeutung wirkte sich auch positiv auf die wirtschaftliche Situation des Klosters aus.
Allerdings musste das Kloster 1664 auf starken Druck des Bischofs von Konstanz und des Deutschordens das Kreuz wieder an Bernrain zurückgeben, das es vor über 100 Jahren geschenkt bekommen hatte.
Diese Rückgabe ist wohl mit Gegenleistungen erfolgt. Denn 1667 konnte das Kloster seine Anlage erweitern und eine größere Kirche bauen, und dies in wirtschaftlich schwerer Zeit (siehe Stich aus dieser Zeit). 1669 wurden die Klosterfrauen von der geistlichen Betreuung von Wollmatingen unabhängig, sie konnten sich einen eigenen Geistlichen "leisten".

Diese ruhige Phase dauerte nur 100 Jahre. Mit der Säkularisation war das Schicksal von St. Katharina besiegelt. 1808 wurde das Kloster aufgehoben und der Besitz zugunsten des Großherzogs von Baden enteignet. Die 10 Nonnen mussten gehen. Das Inventar des Klosters wurde aufgelistet, geschätzt und meistbietend verkauft. (Später kamen die Kirchenbänke nach Litzelstetten, der Hochaltar nach Altnau, ein Seitenaltar nach Egg.)
Schleppend gestaltete sich die Veräußerung des Anwesens. Nach mehreren Besitzerwechseln kaufte es der Großherzog von Baden als Besitzer der Mainau zurück. In die gleiche Zeit fällt der Abriss der Klosterkirche wegen Baufälligkeit.

Der Großherzog ließ in den übriggebliebenen Gebäuden eine Gastwirtschaft einrichten, die er verpachtete. Der erste Pächter war das Ehepaar Biechele, dessen Sohn die Wirtschaft weiterführte. Die Gastwirtschaft erfreute sich offenbar großer Beliebtheit: In der 'Konstanzer Zeitung' findet sich z. B. eine Anzeige, in der die Wirtsfamilie für den 24. Mai 1874 "bei günstiger Witterung" zu einer "musikalischen Produktion" durch die "Jugend-Musik Konstanz" einlädt. Am Pfingstmontag des Jahres 1883 fand in St. Katharina das "Deklamationsfest" mit umfangreichem Programm, bestehend aus Musik, Gesang und Vortrag von Werken Martin Schleyers auf Deutsch und "weltsprachlich", also Volapük, statt.
Auch das Leben der Wirtsfamilie scheint schön gewesen zu sein in der idyllischen Abgeschiedenheit von St. Kartharinen - zumindest, wenn man den schriftlich festgehaltenen Erinnerungen von Stefanie Biechele glauben kann. Hier ein kleiner Auszug:

Erinnerung des ehemaligen St. Katharinenkindes Stefanie Biechele

Meine Geburtsheimat war schön - am schönsten, wenn keine Gäste den Frieden und die Einsamkeit störten! Zu meinen frühesten Erinnerungen gehört das Frühlingskränzchen kleiner, blühender Zibaten und Griechenbäume, die St. Katharina umgaben wie ein Kränzchen auf dem Kopfe einer lieben Braut.
Im St. Kathariner Ried fanden wir ein halbes Hirschgeweih, das wohl schon 100 Jahre dort gelegen hatte. Auf unserem Schulweg, vorbei an der Kiesgrube, wo wir Steinbeile und selten geformte Steine fanden.
Am allerschönsten war aber ein verschneiter Weihnachtsmorgen, wenn der Vater mit der Laterne in der Hand, morgens um 5 Uhr uns Geschwistern voraus ging, die Zweige auseinanderbiegend, den verschneiten Weg bahnte, zur Christmette in Litzelstetten, wo in jedem Hause Freunde von St. Katharina wohnten.
Heimwärts ging es dann noch eilender, wo Mutter den schönsten Christbaum vom Walde angezündet hatte und jedem ein Teller Gutsele an seinen Platz am Kaffeetisch gestellt hatte. Wir waren glücklich!

Im Jahr 1919 übernahm das Ehepaar Riesterer die Gastwirtschaft und machte sie zu einem der beliebtesten Ausflugslokale der Umgebung. Sonntag für Sonntag strömten besonders im Frühsommer und Herbst Konstanzer, Wollmatinger, Allmannsdorfer und Litzelstetter mit Kind und Kegel nach St. Katharinen. Diese zentrale Lage von St. Katharina wird durch folgendes illustriert: Auguste Riesterer ist auf St. Katharinen geboren, in Wollmatingen getauft, in Allmannsdorf standesamtlich registriert und in Litzelstetten eingeschult worden.
Ab 1960 führten die beiden Töchter Riesterer das Lokal weiter. Es hatte weder Wasser- noch Stromanschluss. Dafür gab es Petroleumlampen und einen Ziehbrunnen mit einwandfreiem Wasser. 1965 musste das Lokal wegen des fehlenden Wasseranschlusses schließen. Ende der 80-iger Jahre mussten die beiden Schwestern Riesterer ausziehen. Eine Ära ging zu Ende.
Seither geht es auch mit dem letzten Gebäude des einstigen Frauenklosters St. Katharina bergab.

Heribert Baumann

St. Katharina um ca. 1960