Geistlicher Rat Konrad Fuchs Pfarrer i.R. im Alter von 109 Jahren verstorben

Die Konstanzer Bodanrückgemeinden nahmen Abschied von Konrad Fuchs, der in Dingelsdorf am 15. Okt. 1897, einem Freitagabend um 7.00 Uhr in Dingelsdorf auf die Welt kam. Seine Eltern, der Wagnermeister Konrad Fuchs und dessen Frau Maria, geborene Baumann, schickten ihn nach der Volksschulzeit in das St.-Konradi-Haus Konstanz. Im alten Jesuitenkolleg an der Konzilstraße erlebte er den Umzug des Gymnasiums in den Bau des heutigen Suso. Die Priesterweihe erhielt er im Jahre 1923.

Nach zwei Jahren als Vikar in der Konstanzer St.-Stephans-Gemeinde war er zunächst in Mannheim und schließlich 32 Jahre lang als Pfarrer in der Freiburger Gemeinde Heilige Familie tätig. 1970 trat Konrad Fuchs in den Ruhestand und kehrte nach Konstanz zurück, wo er bis Anfang 2002 zusammen mit seiner Haushälterin Margarethe Mörder in der Oberen Laube 75 lebte. Seither verbrachte er seinen Lebensabend im Pflegeheim in Hegne.

Mit. seiner Heimatpfarrei St. Nikolaus war er zeitlebens verbunden. Mit dem Heimatpfarrer pflegte er als "Pfarrkind" regen Kontakt. So war es auch sein Wunsch, in Dingelsdorf auf dem Friedhof bei den Priestergräbern bestattet zu werden, wo auch bereits sein Neffe Konrad Ehrlinspiel begraben liegt. In St. Nikolaus wurde am Sonntag, dem 19. Nov. 2006 um 18.00 Uhr der Totenrosenkranz gebetet und am Montag, dem 20. Nov. 2006 um 14.00 Uhr unter Leitung von Dekan Trennert-Helwig unter Beteiligung vieler Gläubigen das Requiem mit anschließender Beerdigung gehalten.

Noch zum Geburtstag bekam er Post vom Papstsekretär, worüber sich Geistlicher Rat Fuchs sehr freute. Dazu schrieb Thomas Zoch im SÜDKURIER unter der Überschrift "Post vom Papstsekretär":

Drei Jahrhunderte hat er kennen gelernt -und zwei Jahrtausende:
Der Pfarrer im Ruhestand und Geistliche Rat Konrad Fuchs aus Konstanz ist schon seit längerer Zeit der älteste katholische Priester Deutschlands und seit Herbst 2005 auch der älteste Mensch in Baden-Württemberg. Am Sonntag feiert er trotz körperlicher Gebrechen bei nach wie vor recht guter geistiger Frische seinen 109. Geburtstag im Altenheim des Klosters Hegne am Bodensee. "Ich würde wieder Pfarrer werden" sagt er rückblickend auf sein langes Leben. "Ich hätte auch schon mit 100 sterben können", meint Konrad Fuchs schmunzelnd auf die Frage, wie er so alt werden konnte. "Ich bin sicher nicht der einzige Pfarrer, der von Gott als gute Hilfskraft für unsere Religion gesehen wird, so der gläubige Mann. "Es gibt auch andere Geistliche die dieselben Verdienste haben." Doch wie wird man so alt? "Man darf sich nicht übernehmen und muss Maß halten", meint Pfarrer Fuchs. Und auf die Frage, wie alt er denn noch werden wolle, antwortet er lachend und spontan: "150". Und fügt sogleich demütig an: "Wir schreiben dem Herrgott nichts vor."
Das Weltgeschehen verfolgt Konrad Fuchs trotz seiner Gebrechen -er kann kaum noch gehen und sehen - so gut es geht. Dass ein Deutscher Papst ist, sei "eine große Ehre und ein Vorteil", meint der 109-Jährige. Den Besuch von Papst Benedikt in seiner bayerischen Heimat hat er verfolgt. Die Proteste in der muslimischen Welt nach dessen Vortrag an der Uni Regensburg kann er nicht verstehen. "Er wollte darauf hinweisen, dass Religionen als Religionen wirken sollen und nicht als Kampfinstrumente, auch wenn sie verschieden sind", meint Pfarrer Fuchs. Den Papst würde er gern besuchen, doch sein gesundheitlicher Zustand lässt dies nicht zu. "Wenn ich jünger wäre, wäre ich schon lange in Rom gewesen und hätte guten Tag gesagt", so Konrad Fuchs. Vom ersten Sekretär des Papstes, Georg Gänswein, hat er in Hegne schon einige Post erhalten. Ihn kannte er schon als kleinen Buben. "Seine Familie gehörte zur Pfarrei meines Neffen."

Unter der Überschrift "Heimkehr zum Herrn" schreibt Thomas Zoch vom SÜDKURIER zum Tod von Konrad Fuchs.
Er war der älteste Pfarrer Deutschlands und zugleich älteste Mensch Baden-Württembergs: Der Geistliche Rat Konrad Fuchs aus Konstanz ist im Alter von 109 Jahren gestorben. Knapp einen Monat nach seinem letzten Geburtstag schlief er in seinem Zimmer im Altenpflegeheim des Klosters Hegne am Bodensee friedlich ein. Gehen, stehen und sehen konnte Pfarrer Konrad Fuchs schon länger nur noch sehr schlecht. In jüngster Zeit hatte er sich zudem häufiger unwohl gefühlt. Doch rechtzeitig zu seinem 109. Geburtstag am 15. Oktober hatte sich sein gesundheitlicher Zustand wieder gebessert. "Es geht mir wieder gut", sagte er damals auf Nachfrage des SÜDKURIER. "Der Geburtstag hatte ihn noch einmal aufgemöbelt", berichtete die Pflegeheimleiterin Brigitte Roth. Unter anderem besuchten ihn die Realschüler aus Hegne. "Es war ein Erlebnis, wie er auf jedes Kind eingegangen ist, für jedes ein gutes Wort hatte", so die Heimleiterin. Danach habe sich sein gesundheitlicher Zustand jedoch wieder zunehmend verschlechtert. An den letzten Tagen seines langen Lebens wachten Familienmitglieder, Freunde, seine langjährige Haushälterin Margarethe Mörder, Schwestern des Klosters sowie Geistliche an seinem Bett. "Er ist begleitet von Gebet und Gesang am Montagabend eingeschlafen", so Roth. "Die Zeit ist für jeden festgesetzt", sagte Pfarrer Fuchs vor einem Jahr auf die Frage, wie man so alt werden kann. Und fügte lachend hinzu: "Ohne Gottes Zulassung und seinen Willen wär's anders gegangen". Bewusst gesund gelebt hatte er eigentlich nicht. "Natürliches Essen und Trinken, aber Maß halten", so sei es in seinem Leben immer gewesen, meinte der Pfarrer, der aus einer einfachen Familie stammte. Gern erzählte Konrad Fuchs schmunzelnd die Geschichte, wie er zu seinem Vornamen kam: Nach der Geburt am Abend des 15. Okt. 1897 im Elternhaus in Dingelsdorf bei Konstanz habe die Mutter zum Vater gemeint: "Geben wir ihm einfach Deinen Namen, denn der stirbt ja bald. Ich war so ein kleiner Knirps." Zweimal hatte er später großes Glück. So blieb ihm im Ersten Weltkrieg 1916 wegen einer schweren Kopfverwundung eine große Schlacht erspart, in der viele Soldaten seiner Kompanie den Tod fanden. Und 1984 war er so krank, dass er schon alle Papiere fürs Sterben gerichtet hatte. Am liebsten hätte der Pfarrer im Ruhestand, der 2003 sein 80-jähriges Priesterjubiläum feiern konnte, noch täglich eine Messe zelebriert - so wie in seiner Konstanzer Wohnung, in der er bis 2002 mit seiner Haushälterin lebte. Dort hatte er in einem Zimmer einen Altar eingerichtet "mit meiner kostbarsten Reliquie: Einem Stückchen Holz vom Kreuz Christi, das ich 1929 aus dem Heiligen Land mitgebracht habe", wie er berichtete. Die zunehmenden körperlichen Gebrechen machten dies jedoch unmöglich. Ebenso gern hätte er auch Papst Benedikt XVI. noch in Rom besucht. Dessen Wahl hatte er als "Freude" für Deutschland bewertet. Immerhin bekam er regelmäßig Post vom Papst-Sekretär, den er schon als kleinen Buben gekannt hatte. Und Konrad Fuchs konnte bis vor kurzem noch munter gestikulierend aus seinem langen Leben erzählen. Pfarrer wollte er schon als Kind werden. Nach einem zweieinhalbjährigen Einsatz als Infanterist im Ersten Weltkrieg studierte er Theologie in Freiburg und absolvierte das Priesterseminar in St. Peter. Die Priesterweihe erhielt er 1923. Seinen 47 -jährige Tätigkeiten im Dienst der Kirche begann er als Vikar in Konstanz. Danach war er Kaplan in Mannheim und Pfarrer in Seebach. Ab 1938 war er 32 Jahre lang Priester in der Freiburger Gemeinde Heilige Familie.

"Ein Mensch voller Güte" Südkurier Konstanz, 21.11.2006