Rückblick 2005

Zeltbegasung der Bagnato-Kapelle in Oberdorf

Die barocke Hl. Kreuz-Kapelle in Oberdorf zeigte sich vom 21. bis 24. Juli 2005 in ungewohnter Form. Nicht Christo war hier am Werk, sondern eine Spezialfirma, die gegen den Befall mit Holzschädlingen vorging.

Zu diesen Maßnahmen, die sorgsam auch gegenüber der umliegenden Bevölkerung durchgeführt wurden, musste die Kapelle innen und außen restauriert werden. Die Leitung hierfür hatte Architekt Christian Mitteis. Richtfest mit den Handwerkern fand am 22. Juli 2005 vor verhüllter Kapelle und anschließend im Fuchshof statt.

Das Einweihungsfest mit der Gemeinde wurde mit dem Patrozinium Hl. Kreuz am 28. August verbunden.

Unter dem Thema "Verpackung gegen Holzwurm" schrieb darüber Brigitte Elsner-Heller im Südkurier:

Die barocke Heilig-Kreuz-Kapelle in Oberdorf war kürzlich in schwarz-rot-goldene Zeltbahnen eingepackt. Grund dafür war nicht etwa eine deutschfreundliche Aktion des Verpackungskünstlers Christo, sondern der Kampf gegen Holzwurm und Holzbock. Eine Spezialfirma hatte die Kapelle in luftdichte Folie gehüllt, um den Schädlingen beizukommen. Holz in der Menge eines Streichholzes frisst der Holzbock jeden Tag, erklärte Christian Mitteis, der mit der Sanierung betraut ist.

Die 1747 geweihte barocke Heilig-Kreuz-Kapelle in Oberdorf wurde von Johann Caspar Bagnato erbaut, der auch die Marienkirche auf der Insel Mainau errichtete. In der denkmalgeschützten Kirche werden Weihnachten, Ostern, Pfingsten und während der Sommermonate an jedem ersten Sonntag im Monat Gottesdienste gefeiert. Das Gebäude und seine Ausstattung waren durch Fäulnisschäden und Holzschädlinge stark gefährdet. Da bei der Kapelle seit ihrer Errichtung nur wenige bauliche Eingriffe vorgenommen wurden, hatte sich die Kirchengemeinde zur aufwändigen Sanierung entschlossen.

Seit Jahresbeginn wurden die Fäulnisschäden an der Dachkonstruktion durch den Einbau neuer Hölzer behoben und das Dach mit Ziegeln nach altem Muster neu eingedeckt. Ein Problem blieb der Schädlingsbefall von Hochaltar, Kirchengestühl, Boden und weiteren Hölzern der Decken- und Turmkonstruktion. Da chemische Holzschutzmittel oder Heißluft dem Altarbereich geschadet hätten, entschloss man sich für ein Begasungsverfahren. Nachdem eine Spezialfirma die 23 Meter hohe Kapelle mit einem Volumen von etwa 2000 Kubikmetern luftdicht verpackt hatte, wurde das Gas für drei Tage eingeleitet. Das verwendete Gas (Sulfuryldifluorid) ist auch für die Begasung von Lebensmitteln zugelassen und hinterlässt keine Rückstände, so dass eine Beeinträchtigung der Anwohner ausgeschlossen werden konnte. Zudem waren alle Maßnahmen mit dem Landesdenkmalamt und dem Regierungspräsidium Freiburg abgestimmt.