Erzbischof Raphael Cheenath/Indien berichtet

Heute hat die Kirche in Indien viele Berufungen zum Priester- und Ordensleben. In unserer Erzdiözese haben wir 40 Priesterseminaristen, die alle aus der Erzdiözese selbst stammen. Im Dezember 2004 wurden 6 Seminaristen zu Diakonen geweiht, die im November dieses Jahres die Priesterweihe empfangen werden. Im Januar 2005 konnten wir 3 Diakone zu Priestern weihen. In unseren beiden kleinen Seminarien in Balliguda und Padampur studieren 80 Schüler. Wir haben die Gebäude erweitert, um noch mehr Schüler aufnehmen zu können.

Wir haben in der Diözese 61.501 Katholiken, von denen die meisten zu den Stämmen außerhalb des Kastensystems der Hindus gehören. Sie sind arm, diskriminiert und von der Gesellschaft wie auch von der Regierung an den Rand gedrängt. Deshalb liegt im Fortschritt der Bildung der beste Weg, ihnen im Wachstum zu helfen. Ausbildung ist die Türschwelle zur Entwicklung. Jene Kinder, die aus verschiedenen Gründen keine Chance zur Schulbildung hätten, sind in unseren Internaten untergebracht und können auf die benachbarten Schulen gehen. 2200 Kinder leben in unseren 36 Internaten und Waisenhäusern. In Balliguda wird zur Zeit ein neues Internat für unsere Jungen gebaut; zwei neue Internate für Jungen und Mädchen wurden in der Kotagarh-Pfarrei errichtet. Ein anderes für Mädchen wurde gerade in Khurda Road eröffnet. Wir haben auch die Pläne fertig, um in Phulbani ein weiteres Internat für College-Mädchen zu bauen. In diesem Jahr versorgen wir 350 College-Studenten mit einem diözesanen Stipendium.

Die St. Antonius-Schule in Nayabazar wurde erneuert und erweitert. Auch das Prabhatitara Mädchen-Gymnasium in Bamunigam braucht eine Erweiterung. Die St. Vinzenz-Schule in Mondosoro, eine der ältesten Schulen in der Erzdiözese, wurde erneuert.

Ebenso wurde die Schule in der Pfarrei Ruthungia erweitert, um die wachsende Zahl der Schüler aufnehmen zu können.

Der Krankendienst ist ein wesentlicher Teil der Evangelisation. Jesus selbst hat viele Kinder geheilt und ihnen so ein Zeichen der Hoffnung und des Lebens gegeben. Im Krankendienst wird die Liebe Gottes zum Menschen ganz praktisch. Eine der dringlichsten Nöte in den Entwicklungsländern ist sicherlich die Gesundheitsvorsorge für die Armen, besonders in den ländlichen Gebieten. Die Erzdiözese unterhält 24 Erste-Hilfe-Stationen und 4 kleine Kliniken, die von Ärzten und ausgebildeten Krankenpflegerinnen betreut werden. Eine neue Erste-Hilfe-Station wurde in der Pfarrei Sankorakhol errichtet, weitere zwei werden gerade in Godapur und Ruthungia gebaut.

Unsere acht mobilen Kliniken sind eine große Hilfe für die Kranken. Sie haben eine lebensrettende Aufgabe, wenn schwerkranke Patienten aus entfernten Gegenden in das nächste Krankenhaus transportiert werden müssen. Wir haben auch ein neues Heim für körperlich behinderte Mädchen in Kumbarkuppa errichtet. Dafür haben wir einen neuen Schwesternkonvent eröffnet, die die Behinderten versorgen. Ebenso wurden neue Gebäude für körperlich und geistig behinderte Kinder in Jajpur errichtet.

In kleinen Anfängen befasst sich die Erzdiözese auch mit der Behandlung von HIV/AIDS-Patienten. Ein anderes Feld ist die Sorge um die Leprosen. Diese haben noch keine rechte Heimat in der Gesellschaft gefunden, obwohl sie die größte Aufmerksamkeit von Seiten der Gesunden und Reichen benötigten. 16 Zentren versorgen die Leprosen in unserer Erzdiözese. Die Zahl der Leprosen soll im Staat Orissa bei ca. 18.000 liegen.

Neue Kirchen und Kapellen sind ein Zeichen des Wachstums der christlichen Gemeinden. Die Leute sind stolz auf ihre eigenen Kirchen und Kapellen. So konnten wir 2 neue Pfarreien in Dukumaha und Kurtumgodo errichten. Sechs neue Dorfkapellen konnten inzwischen gebaut werden. Zwei weitere Pfarrkirchen sollen in Kurtumodeo und Dubury gebaut werden.

In der Hauptstadt Bhubaneshwar wird wegen der wachsenden Zahl der Katholiken eine zweite Pfarrei errichtet. Zwei neue Pfarrhäuser werden in Guchha und Boudh gebaut. Das alte Pfarrhaus in Phulbani ist völlig zusammengebrochen und kann nicht mehr repariert werden. Es soll abgerissen und stattdessen ein neues Pfarrhaus errichtet werden.

Ein neues christliches Spiritualitätenzentrum wurde in Puri, einer der fünf Heiligen Orte der Hindus in Indien, errichtet. Das Zentrum ist für diese gedacht, die Exerzitien oder eine stille Gebetszeit während der Ferien machen wollen.

Vielleicht haben Sie gehört, dass die Kirche in Raikia am 26. Aug. 2004 von den Hindu-Fundamentalisten verwüstet und entweiht wurde. Alles in der Kirche wurde aus Rache gegen die Christen zerstört.

Obwohl wir von der Regierung finanzielle Hilfe für die Reparatur erbaten, erhielten wir nichts. Deshalb mussten wir unsere eigenen Quellen für die Reparatur der Kirche finden. So freue ich mich, Ihnen mitteilen zu können, dass wir mit Hilfe von vielen großzügigen Leuten die Kirche wieder schön aufbauen und am 11. Juni dieses Jahres einweihen konnten. Ich möchte allen danken, die uns bei diesem Wiederaufbau geholfen haben.

Nach der neuesten Statistik ist der Staat Orissa am wenigsten in Indien entwickelt. Es wird geschätzt, dass ungefähr 39 % der Gesamtbevölkerung Orissas unter der Armutsgrenze leben. Um deshalb den Leuten einen allgemeinen Fortschritt zu ermöglichen, haben wir einige sozio-ökonomische Projekte initiiert. Unsere "Sozialdienstgesellschaft" und die "Janaviskash" (Entwicklung des Volkes) führen regelmäßig Kurse für Führungskräfte, Kreditverwaltung, Nutzung der vorhandenen Ressoursen etc. durch. Eine weitere sehr effektive Methode zur Anregung zur Selbsthilfe der Leute ist die Errichtung von Selbsthilfegruppen (SHG), die wir nach dem großen Seesturm von 1999 begonnen hatten.

Patenschaften für indische Theologiestudenten
Erzbischof Cheenath ergänzt in seinem Bericht:

Die Steyler Missionare in Indien haben schon über 600 Priester, davon missionieren schon über 200 Priester außerhalb Indiens in verschiedenen Ländern.

In diesem Sinne habe ich eine Bitte:

Ich habe schon gesagt, dass die Erzdiözese Cuttack-Bhubaneswar viele Berufungen hat, aber wir können nicht alle Kandidaten akzeptieren wegen des finanziellen Mangels. Deswegen frage ich, ob einige von Ihnen den einen oder anderen Kandidaten für das Theologiestudium mit finanzieller Hilfe adoptieren. Diese Adoption wäre eine große Hilfe und die Erzdiözese kann mehrere Kandidaten annehmen.
Eine Patenschaft für fünf Jahre Theologiestudium (eingeschlossen ein Jahr Diakonatsdienst) kostet insgesamt 3.000,-- €.


Erzbischof Cheenath mit indischen Neupriestern


Dazu Pfarrer Bernd Zimmermann:

Wir begehen in unserer Kirche das "Jahr der Berufung", ein dringendes Anliegen unseres Betens und Bittens vor Gott.
Während wir hier am Mangel an Priesterberufen leiden, können wir auch durch unsere finanzielle Unterstützung dazu beitragen, dass den zahlreichen jungen Menschen in Indien die Ausbildung zum Priester ermöglicht wird.