Bericht von Herrn Erzbischof Raphael Cheenath/Indien

zu Weihnachten 2004 an unsere Gemeinden

Frohe Weihnachten
Im Vergleich zu allen anderen Jahren meines Lebens war dieses Jahr ein spezielles. Ich lag mit Gehirnmalaria, Rückgratlähmung und einem Hitzschlag danieder, alles im selben Jahr. Beim ersten Fall hätte ich beinahe die Lebensgrenze überschritten. Im zweiten Fall fiel ich zweimal kopfüber in mein Bett, wurde allerdings nicht verletzt. Während der Feier einer Hl. Messe in einem Dorf kollabierte ich dann durch einen Hitzschlag. Die Temperatur war auf 45 Grad geklettert.
Ich schreibe Ihnen dies, um zu zeigen, wie hilflos wir als menschliche Wesen sind, und wie stark wir sind, wenn der Herr sich für uns sorgt. Diese drei Schläge haben mir eine tiefere Aufmerksamkeit für die Gegenwart Gottes in meinem Leben gegeben. Während der Gehirnmalaria war ich im Koma und mein Körper war total unbeweglich. Ich war in meinem Schlafzimmer eingeschlossen und niemand konnte eintreten. Aber schließlich weckte Gott mich auf. Und so bin ich weiter am Leben.
Unter diesen Eindrücken zeigt sich Weihnachten in neuem Licht. Jesus wurde Mensch, um mit uns zu sein. Er kam, um uns von unserer Schwachheit und unseren Fehlern und Sünden zu befreien. Er ist immer mit uns; sein Name ist "Emanuel". Das ist der Sinn von Weihnachten, die gute Nachricht, dass "Gott mit uns ist". Unsere christliche Berufung soll in der Erkenntnis wachsen, dass Gott in unserem Leben anwesend ist. So möchte ich die Gelegenheit ergreifen und Ihnen ein Frohes Weihnachtsfest wünschen. Wie üblich möchte ich Ihnen über den Fortschritt berichten, den wir im vergangenen Jahr gemacht haben und auch über unsere Pläne für das kommende Jahr.

Arbeiter im Weinberg
Unsere Erzdiözese ist mit Berufungen zum Priestertum und zum Ordensleben gesegnet. Da eine immer schneller sich entwickelnde Welt immer größere Wirksamkeit und Transparenz erfordert, haben wir entschieden, auch unser Ausbildungsprogramm dementsprechend zu reorganisieren. Das erfordert natürlich mehr Raum und bessere Lebensbedingungen für die Seminaristen. Deshalb haben wir geplant, unsere bestehenden Seminargebäude zu vergrößern, um mehr Seminaristen aufnehmen zu können. Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass wir zur Zeit 39 Seminaristen im Priesterseminar haben und 69 Gymnasiasten im Kleinen Seminar. Sie alle kommen aus unserer Erzdiözese. Zwei Diakone werden im November zu Priestern geweiht.

Pastorales Leben der Gläubigen
Unser Pastoralzentrum in Konjamendi bildet regelmäßig und systematisch Katechisten und Gemeindeleiter aus. Während der vergangenen 3 Jahre hatten wir 26 Ausbildungsprogramme für ca. 1800 Laien durchgeführt. Auch haben wir ständige Ausbildungsprogramme für die Leiter von Basisgemeinden. Daneben führen wir Ehevorbereitungskurse für junge Männer und Frauen durch. In Puri, einer der 5 heiligen Städte der Hindus, wollen wir ein spirituelles Zentrum für Exerzitien, Seminare etc. errichten.
Für verschiedene Gruppen halten wir bereits über das ganze Jahr Exerzitien. Im allgemeinen schätzen die Leute die Teilnahme. Die Liturgie wird in der Lokalsprache "Oriya" gefeiert. Fast jede Familie besitzt schon eine Bibel.

Schulbildung, der Schlüssel zum Fortschritt
Es ist sicherlich eine Freude zu wissen, dass Tausende von jungen Männern und Frauen im öffentlichen Dienst, in der Industrie oder in der Wirtschaft beschäftigt sind, die alle durch unsere Schulen gegangen sind. Unsere Erzdiözese unterhält dazu 55 Schulen für 15.751 Kinder. Wir geben auch Unterhalt für Straßenkinder. Wir unterhalten auch 86 "Straßenschulen", um ca. 2.370 Kinder für die Aufnahme in normalen Schulen vorzubereiten. 1350 Kinder aus Slums erhalten regelmäßig von uns materielle Unterstützung. Die Ausbildung ist wirklich der größte Beitrag der Kirche an das indische Volk.
Deshalb legen wir so großen Wert auf den Unterhalt und die gute Führung unserer Schulen. Eine neue Schule ist nun für die Pfarrei Ruthungia vorgesehen. Drei weitere Schulen in Kendrapara, Phulbani und Jaipur Road sollen erweitert werden.

Unsere Internate
Manche sehen die Internate nicht so dringend an. Aber für die meisten Kinder in unseren Internaten ist dies der einzige Weg zur Ausbildung. Da viele der staatlichen Dorfschulen nicht funktionieren, finden die Kinder in unseren Internaten besondere Bedingungen, um in die benachbarten Schulen zu gehen und besser lernen zu können.
Deshalb haben wir 30 Internate für etwa 2300 Kinder. Zwei neue Internate für Mädchen in Pobingia und Padangi werden nun vollendet, zwei weitere, eines für Jungen und eines für Mädchen in Kotogarh sind noch im Bau. Für Gadapur und Mondasore werden weitere Internate geplant. Ein Internat in Kattingia braucht einen Speisesaal. Die Jungens-Internate in Raikia und Mondasore müssen renoviert werden.
Obwohl wir auf einigen persönlichen Beitrag bestehen, sind doch einige Kinder wegen ihrer äußersten Armut auch nicht zu einem Minimum einer Beitragszahlung in der Lage.

Sorge um die Kranken
Die Sorge um die Kranken ist ein wesentlicher Aspekt unserer Mission in der Welt. Jesus selbst hat hierbei durch die Heilung der Kranken, die zu ihm kamen, ein inspirierendes Beispiel gegeben. So bin ich glücklich, Ihnen mitteilen zu können, dass wir am 21. Oktober dieses Jahres in Kumbharkupa das allererste Heim für physisch behinderte Kinder eröffnet haben. Die Schwestern der Liebe werden die Kinder betreuen. Das Heim beherbergt 30-50 Mädchen, die später in örtlichen Schulen ausgebildet und schließlich in ihre eigenen Familien wieder integriert werden sollen. Für ihren Transport bräuchten wir einen Minibus. Die Brüder und Schwestern von Mutter Teresa haben in der Pfarrei Jaipur Road ein weiteres Heim für geistig zurückgebliebene Kinder eröffnet.
Unsere 19 ambulanten Krankenstationen und mobilen Kliniken haben im vergangenen Jahr über 200.000 Patienten behandelt. 2 neue Krankenstationen wurden in den Pfarreien Balliguda und Kotogarh errichtet. In der Pfarrei Jaipur Road, die von den Brüdern der Mutter Teresa geleitet wird, wurde eine TB-Abteilung neu eingerichtet. Eine neue Krankenstation ist für die Pfarrei Gadapur geplant.
Darüber hinaus versorgen unsere 16 Gesundheitszentren 3.874 Lepra-Kranke in der Erzdiözese. Im ganzen Staat Orissa gibt es 18.029 Leprosen. Was wir tun ist wie ein kleiner Tropfen im Ozean. Viel mehr sollte noch getan werden. Wir planen auch eine Versorgung der HIV/AIDS Opfer.

Entwicklungsaktivitäten
Vor Jahrzehnten lebten die armen Leute von der Hand in den Mund. Sie bewahrten nichts auf und lebten in äußerster Armut. So war es notwendig, ihnen zu lehren, wie man Geld für die Zukunft spart. Unsere Selbsthilfegruppen haben sich für diesen Wandel des Denkens sehr bewährt.
Für Leute, die in äußerster Armut und tiefer Unterdrückung leben, ist die Selbsthilfe und Selbstverantwortung der sicherste Weg der Befreiung. Das kann ich mit meiner ganzen Erfahrung sagen. So haben wir zum Beispiel schon 770 Selbsthilfegruppen, 500 für Frauen und 270 für Männer mit einer Mitgliedschaft von 10.435 Personen. Sie haben bereits ein Bankguthaben von 8 Millionen Rupien, das schnell weiterwächst. Wir planen nun, zwei Verwaltungsinstitute zu eröffnen, damit die Leute nicht Geldleihern und Geschäftsleuten zum Opfer fallen. Das ist ein äußerst schwieriger Prozess, aber wir sind zuversichtlich, dass wir es schaffen.
Wir haben auch Programme zum Lebensunterhalt wie Gemüsegärten, Landwirtschaft, Handwerk, Ziegen-, Fisch-, Entenzucht etc. Wir hoffen, dass dies die finanzielle Situation der Armen verbessert. Hierbei ist es interessant zu sehen, dass bei allen Aktivitäten Frauen aktiver und verlässiger sind.
Das "Zentrum für Humanes Leben", unser Berufsschulzentrum in Bhubaneshwar unterrichtet 2200 Schüler auf verschiedenen Feldern wie Schreibmaschine schreiben, englische Sprache, Computertraining, Schneiderei und Stickerei, Bürokurse, Sprachunterricht etc.

Kirchen und Kapellen
Bescheidene Kirchen und Kapellen laden die Leute zum Gebet ein. Die Pfarreien in Padangi und Duburi brauchen notwendig Kirchen, da die Leute in den Dörfern wegen der großen Entfernung nicht in die Pfarrzentren kommen können. Aber Dorfkapellen sind ein wesentlicher Aspekt in ihrem Gebetsleben. Unsere Leute sind arm und einfach. Deshalb geben wir nicht zu viel Geld zum Bau von Kirchen und Kapellen aus.
Doch konnten wir inzwischen 7 Dorfkapellen fertig bauen. Zwei mehr sind bereits im Bau. Wegen der wachsenden Gemeinden brauchen wir weitere 14 Dorfkapellen und 6 Pfarrkirchen. Wir brauchen auch noch 7 Pfarrhäuser für die Priester, die gegenwärtig noch in Behelfsunterkünften wohnen.
Von großer Bedeutung sind für uns auch die Schwestern. Auch dafür benötigen wir 4 neue Konvente. Der alte Konvent in Mondasore wird gerade renoviert.
Wir haben auch vielen Familien geholfen, die in Lehmhütten wohnten, 530 feste Häuser mit Blechdächern zu bauen.
Am 26. August dieses Jahres wurde die 50-Jahre alte Kírche von Raikia in der Erzdioezese Kuttack-Bhubaneshwar von einer hinduistischen Fundamentalistengruppe überfallen. Ungefähr 500 Fanatiker drangen mit tödlichen Waffen in die Kirche ein und zerstörten alle Gegenstände in der Kirche (sechs Statuen, das ganze Mobilar, die Kreuzwegbildstationen, Fenstergläser, Türen, Musikinstrumente, Leuchter und den Tabernakel). Sie zerstörten auch 6 Häuser von christlichen Familien. Alles zusammen ist das ein Verlust von Euro 32.727,- . Bitte betet für uns!

Abschluss
Ich habe Ihnen nun unsere Aktivitäten im vergangenen Jahr gleichsam aus der Vogelperspektive vorgestellt. Alle unsere Arbeiten gehen weiter. Dies ist nur wegen Ihnen möglich, die Sie für uns beten und uns immer mit Ihren Almosen unterstützen. In diesem Sinn sind wir Partner in der Mission Christi, der seine Apostel gesandt hat, das Evangelium zu verkünden.
Deshalb möchte ich anlässlich des Weihnachtsfestes Ihnen persönlich meinen aufrichtigen Dank aussprechen. Ich vertraue darauf, dass wir weiter zusammenarbeiten werden. Ich bitte Sie, diesen Brief auch an Ihre Freunde weiterzugeben. Ich werde besonders in der Mitternachtsmesse für Sie beten. Nochmals danke ich Ihnen für Ihr persönliches Interesse in meiner Mission.
Ich schließe diesen Brief mit allen guten Wünschen für ein glückliches und gnadenerfülltes Neues Jahr 2005.

Mit gebetsvollen Wünschen verbleibe ich
Hochachtungsvoll in Jesus und Maria
Ihr

+ Raphael Cheenath, SVD
Erzbischof von Cuttak-Bhubaneshwar