Ehevorbereitungskurs

Ein Bericht im Südkurier

"Was ist wichtig in einer Partnerschaft?" Im Ehevorbereitungskurs des Dekanats Konstanz diskutieren die Paare über Werte, Moral, ihren Glauben und den Sinn einer kirchlichen Heirat.
Mit einem Bericht im Südkurier gab die Journalistin Katja Reimann ihre Eindrücke vom Ehevorbereitungskurs vom 17. April 2004 wieder. Sie schreibt darüber unter dem Titel

"Sie müssen sich ihre Inseln suchen"
Dekanat Konstanz lädt zum Ehevorbereitungskurs
Diskussion über Liebe, Werte und "Was ist, wenn?"

"Das sind ja so viele Paare wie noch nie". Beate Broghammer schaut sich erfreut im Konferenzraum des "St. Elisabeth"-Hauses in Hegne um. Sechszehn Pärchen sitzen im Stuhlkreis zusammen und harren der Dinge, die an diesem Nachmittag auf sie zukommen werden. So einen Ehevorbereitungskurs macht man schließlich im günstigsten Fall nur ein einziges Mal im Leben.

Als sich alle Paare einander vorstellen, lockert sich die Stimmung. Nicht zuletzt, weil die meisten eines gemeinsam haben: Sie sind durch den sanften Druck ihres Pfarrers ins Haus "St. Elisabeth" gekommen. "Wir stecken gerade in der Hochphase der Vorbereitung und hätten eigentlich etwas Besseres zu tun gehabt" gesteht ein Paar schmunzelnd.

Doch jetzt sitzen sie vor Beate Broghammer. Und die 59-Jährige, die seit zwanzig Jahren an der Psychologischen Beratungsstelle für Ehe und Familie der katholischen Kirche arbeitet und schon seit beinahe zehn Jahren Seminare bei Vorbereitungskursen gibt, hat einiges vor mit den Verliebten.
Zunächst steht Gruppenarbeit an. "Was sind für Sie wichtige Aspekte für eine gelingende Partnerschaft?" Mit dieser Frage scheucht Broghammer die Pärchen ins Grüne: Im Garten des Hauses fallen in den nächsten Minuten Stichworte wie "Ehrlichkeit", "Toleranz", "Kompromissbereitschaft" oder auch "trotz Gemeinschaft die Eigenständigkeit nicht verlieren".

"Die Kommunikation ist wichtig - die dürfen Sie nicht versickern lassen", ermahnt Beate Broghammer. Partnerschaft brauche Pflege und konstruktive Auseinandersetzung. "Sie müssen öfter mal zum TÜV gehen", empfiehlt Broghammer, lächelt und geht im gleichen Atemzug ein knackiges Problem an: "Was machen Sie denn, wenn Sie merken, dass Sie sich in jemand anderes verliebt haben?" Schweigen.
"Finden Sie es wichtig, dass man sich vor der Ehe über so etwas mit dem Partner unterhält?", fragt Teilnehmerin Marianne Bährle skeptisch. Doch Beate Broghammer lässt sich nicht beirren. Schließlich ist genau dieses Problem zu 90 Prozent der Grund, warum Paare ihre Beratungsstelle aufsuchen.

Wo ist die Toleranzgrenze, wenn es um nicht zugeschraubte Zahnpastatuben, dreckiges Geschirr und schlechte Angewohnheiten geht? Was soll man tun, wenn es nur wenige Gemeinsamkeiten gibt, und wie sollte die eheliche Sexualität gestaltet sein? Mit diesen Fragen konfrontiert Broghammer die Heiratswilligen und warnt davor, gemeinsame Zeit nur noch im Urlaub zu verbringen. Sich Zeit für einander zu nehmen sei wichtig: "Sie müssen sich Ihre Inseln suchen".

Nach zwei Stunden Diskussion haben sich alle Paare Kaffee und Kuchen redlich verdient. Eine kleine Stärkung und ein Austausch untereinander, bevor Pfarrer Bernd Zimmermann zur nächsten Gesprächsrunde ruft.

"Wir wollen das ganze realistisch angehen, und es ist ganz gut, sich Gedanken zu machen", erklären Johannes und Carola Briechle ihre Teilnahme am Kurs. Ein anderes Pärchen sieht die Sache skeptisch: Es mache wohl nicht so viel Sinn, solch persönliche Dinge in einer großen Gruppe mit lauter Unbekannten zu diskutieren.

Bereits seit 15 Jahren leitet Pfarrer Zimmermann den Kurs. "Ich mache es immer noch gerne und habe noch keine Verbrauchserscheinungen", sagt der 62-Jährige und lächelt. Die Paare seien offen und kämen gerne.

Zurück im schön dekorierten Konferenzraum geht es nun um Religion, Kirche und das Sakrament der Ehe.
"Warum wir kirchlich heiraten wollen", steht auf einem grünen Zettel, den Zimmermann austeilt. Dreizehn Gründe gibt es zur Auswahl. Die Aufgabe: Ankreuzen, was wichtig ist, durchstreichen, was unsinnig erscheint. Keine leichte Sache. Überall legen sich Stirnen in Falten, werden Nasen gerieben und wird diskutiert. "Die Ehe ist ein Zeichen für Gottes Liebe", erklärt Pfarrer Zimmermann. "Wenn man etwas von der Liebe Gottes erkennen kann, dann in einer Ehe", sagt er. "Ihr seid Zeichen, dass Gott der Erde treu ist. Ihr seid einander treu und deshalb ist diese Liebe unauflöslich".

Gemeinsam mit dem Pfarrer besprechen die Paare die Konsenserklärung und ganz zum Schluss wird schließlich gebetet.
Nach einem gemeinsamen Abendessen steht auch noch ein Arzt im Haus "St. Elisabeth" für Fragen zur Verfügung.