Geistliche Vorbereitung auf die Priesterweihe eines Gemeindemitglieds

Pilgerfahrt zur Priesterweihe
Pilgerfahrt zur Priesterweihe

Im Hinblick auf die Priesterweihe von Notker Baumann, die am 10. Oktober in Rom stattfand und bei der aus der Heimatpfarrei mit dem Ortspfarrer auch viele Gemeindemitglieder anwesend waren, gab es zur Vorbereitung der Primiz in der Heimat 7 Abende mit dem Thema: "Die sieben Sakramente der Kirche - ein Lebens- und Glaubensweg". So fand - jeweils am Herz-Jesu-Freitag - ein nächtliches Stundengebet sowie eine Einführung zum jeweiligen Sakrament und eine 10-minütige stille Anbetung statt.

Msgre. Frey führte in das Sakrament der Taufe ein. Das Sakrament der Buße wurde von Pfarrer Speicher dargestellt, die Eucharistie von Frau Dieterich, über die Firmung sprachen Gemeindereferent Langkau und Heiko Riekenberg, die Krankensalbung erläuterte Krankenhauspfarrer Hilberer, das Sakrament der Ehe das Ehepaar Brunner und am letzten Abend kam in der Vorbereitung das Sakrament der Priesterweihe zur Sprache, das der Heimatpfarrer Bernd Zimmermann mit persönlichen Erfahrungselementen verband.

Auf dem Hintergrund der Primiz soll nun auch diese Information des Ortspfarrers über den Priesterberuf, die zunächst an den Gebetskreis gerichtet war, dem größeren Leserkreis des Pfarrbriefes mitgeteilt werden:

Als Priester und Pfarrer in der Gemeinde und heute auch in dem noch größeren Gebiet einer Seelsorgeeinheit finde ich mich täglich in unterschiedlichsten Begegnungen mit Menschen wieder.

Da sind die Mitfeiernden in den Gottesdiensten, die Kinder und Jugendlichen, die jungen Erwachsenen, die ich mit auf ihren endgültig gemeinsamen Lebensweg als Brautpaare vorbereite, da sind die Besucher im Pfarrhaus und in den Sprechzeiten Menschen mit ihren unterschiedlichen Anliegen, die Eltern der Kindergartenkinder, da sind die Erzieherinnen des Kindergartens, die Pfarrgemeinderäte und Mitarbeiter in der Seelsorge, da sind die Sterbenden und deren Angehörige, da ist der lächelnde oder schreiende Täufling, da ist die trauernde hinterbliebene Frau nach dem schnellen Tod des Ehemannes und und und.....: man könnte ganze Seiten von solchen und ähnlichen Begegnungen noch füllen: Leben und Tod, Freude und Trauer, Angst und Hoffnung; alles kann auf den Priester in ein und derselben Stunde hereinstürzen. Die ganzen Spannungen im Leben treffe ich bei mir im Leben als Priester wieder. Diese Begegnungen fordern mich heraus, manchmal bis zum äußersten, sie beschenken mich aber auch.

So erfahre ich als Priester die Buntheit und Schönheit, aber auch die ganzen Bedrängnisse im Leben der Menschen. Und ich entdecke dabei immer wieder neu, auf welchen Wegen oder auch Umwegen Gott zu den Menschen kommen kann. Ich stelle sogar fest:

Selbst da kann Gott ankommen, so man ihn am wenigsten vermutet, z.B. in der Verwaltung, wo Menschen bei einem Gespräch über eine Frage des auszufüllenden Formulars plötzlich Einblick in ihr Leben geben oder während einer Betätigung in meinem kleinen Garten neben dem Pfarrhaus bei einem zufälligen kleinen Gespräch mit einem Besucher, der gerade vorbeikommt und gerade so wieder zur Gemeinschaft der Kirche zurückfinden kann.

Bei allen vielfältigen Spannungen erlebe ich, dass ich als Priester nicht allein bin: Gott lässt mich nicht los. Und ich bin mit vielen Menschen unterwegs. Dabei spüre ich immer wieder: wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.

So nehme ich zunächst einmal als Priester durch die Taufe und Firmung teil am gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen. Auf dieser Grundlage besteht aber durch die Weihe zum Priester eine weitere Teilhabe an der Sendung Jesu Christi: nämlich die des besonderen Dienstes an den Gläubigen in der Kirche. Der Priester hat zur Aufgabe, im Namen und in der Person Jesu Christi, der das Haupt der Kirche ist, den Gliedern der Kirche inmitten der Gemeinde zu dienen. Dieses Amtspriestertum ist nach der Lehre der Kirche dem Wesen nach vom gemeinsamen Priestertum verschieden (Röm. Katechismus, S. 429), denn es verleiht eine Vollmacht zum besonderen Dienst an den Gläubigen. Der Auftrag des Priesters für das Volk Gottes besteht in der Lehrtätigkeit sowie in der gottesdienstlichen und pastoralen Leitung. So hat im sakramentalen Handeln der Kirche nur ein Priester die Eucharistie zu leiten sowie im Bußsakrament und in der Krankensalbung im Namen der Kirche das Wort der Vergebung zu sprechen. Das geweihte Amt hat seit der frühen Kirche drei Stufen: Bischöfe, Priester und Diakone. Der Bischof als sichtbares Haupt einer Teilkirche hat als Nachfolger der Apostel und Mitglied des Bischofskollegiums teil an der apostolischen Verantwortung und Sendung der ganzen Kirche mit und unter dem Papst als dem Nachfolger des hl. Petrus. Der Priester ist mit dem Bischof verbunden und zugleich von ihm abhängig in der Ausübung der seelsorglichen Aufgaben. Er gehört zum "Presbyterium" zu den verantwortlichen Mitarbeitern des Bischofs, von ihm mit der Betreuung einer Pfarrgemeinde oder mit einer besonderen kirchlichen Aufgabe betraut. Das Weihesakrament wird von den Bischöfen gespendet. Die Kirche gibt das Sakrament der Weihe nur getauften Männern, die nach einer Zeit sorgfältiger Prüfung zum Empfang von der Kirche selbst zugelassen werden. In der lateinischen Kirche wird zudem bis heute noch die Weihe nur solchen Kandidaten gespendet, die bereit sind, freiwillig den Zölibat auf Lebenszeit auf sich zu nehmen und aus Liebe zu Gott und den ihnen anvertrauten Gläubigen daran auch festzuhalten.

Meine Ausführungen darf ich zusammenfassen mit dem Wort des hl. Bernhard - was auch das Thema der Primizpredigt meines Priesteronkels, eines Bruders meines Vaters, im Oktober des Jahres 1970 war. Da rief er mir in seiner Ansprache zu: "Was bist Du Priester? ----- Ein Nichts, aber Alles in Jesus Christus".

Bernd Zimmermann, Pfarrer