Perfekte Liebe: Wie Hochzeiten immer mehr zum Event werden

Ein Gespräch über die Liebe mit Pfarrer Bernd Zimmermann (gekürzt)

(…)Ortswechsel. Ein Besuch bei dem Mann, der für die Tradition zuständig ist: Pfarrer Bernd Zimmermann sitzt an dem hölzernen, runden Tisch in seinem Wohnzimmer im Pfarrhaus Litzelstetten. In der Ecke steht eine Gitarre, im Bücherregal ein Bildband über London und die Bibel, auf dem Kamin eine Matruschka-Figur. "Ein Dankesgeschenk eines Paares, das ich mal getraut habe", sagt er und überschlägt: Etwa 750 Brautpaare aus der ganzen Welt saßen schon hier, zum traditionellen Traugespräch. Hochzeitsplaner lassen sich da nicht vorschicken, betont Zimmermann. Kostenfaktor: Null Euro. "Ich mache das gerne", sagt Zimmermann. Auch, wenn das für ihn auch viel Arbeit bedeutet.

Fast jedes Wochenende im Sommer sind auf der Mainau Hochzeiten, die er traut. Mit den Paaren geht er vorher das verbindliche „Ehevorbereitungsprotokoll“ durch, eine „Niederschrift zur kirchlichen Ehevorbereitung und Eheschließung“. Darunter ist zum Beispiel auch das „grundsätzliche Ja zum Kind“ und das Versprechen, sie im katholischen Glauben zu erziehen. Diese Gespräche, sagt Zimmermann, nimmt er sehr ernst. Bei einem zweiten Termin geht es darum, das Paar und ihre Liebesgeschichte für die Traurede besser kennen zu lernen. „Für mich ist das auch ein Glaubensgespräch."

Die beste Chance, die ein Pfarrer habe, mit den Menschen zusammen zu kommen – in einem sehr persönlichen Rahmen. „Der beste Moment zu einer hohen Zeit, sie in ihrem Glauben zu fassen“, formuliert es Zimmermann. Denn auch ihm ist klar: Die kirchlichen Trauungen seien zwar nicht bei ihm, aber insgesamt gesehen weniger geworden. Und es gibt Paare, die eine Kirche schon lange nicht mehr von innen gesehen haben – bis sie für die Trauung beim Pfarramt anklopfen.

Das Traugespräch sieht er deshalb auch als „besondere Form der Seelsorge.“ In seinem Schrank sind hunderte von Dankeskarten von Hochzeitspaaren aus drei Jahrzehnten verstaut. Zimmermann kann sich an fast alle erinnern. Auch, dass bei einer von diesen Hochzeiten die Ringe von einem Hubschrauber über der Mainau abgeworfen wurden.

Die Miete für die Schloßkirche auf der Mainau kostet alleine 600 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die weitere Location, das Essen, Musik, Dekoration. Für eine Hochzeit mit 70 Personen sollte man mindestens 14.000 Euro einplanen, in Großstädten eher um die 20.000 Euro, rechnet der Bund der Hochzeitsplaner auf seiner Homepage vor. Hinzu kommen Kleidung und Ringe, Besonderheiten, wie Live-Musik, Shuttle für die Gäste oder Kinderbetreuung. (…)

Südkurier vom 7.5.2016, Sandra Pfanner