Ein Chor zum Verlieben

„Gott achtet Dich, wenn Du arbeitest, aber er liebt Dich, wenn Du singst.“
Getreu dem Motto wollte wohl der Liebe Gott, dass ich zum Litzelstetter Chor komme. Denn es war an einem Sonntagvormittag nach dem Gottesdienst, als Ernst Niggenbölling meine Stimme und die von meinem Zwillingsbruder Mark lobte. Er fragte uns, ob wir nicht Lust hätten, mal mit zum Chor zu kommen. Mark studiert in Mannheim, also machte ich mir Gedanken, ob ich als westfälischer Preuße in diesen „Konschdanzer“ Kirchenchor passe.

Es gab gute Gründe: Da mein Opa nicht nur ein toller Sänger, sondern ein  seit ewigen Zeiten begeistertes Chormitglied in seiner sauerländer Heimat ist, sah ich die Zeit gekommen, in seine Fußstapfen zu treten. Einige Tage später schmetterte ich außerdem mit meiner WG-Mitbewohnerin Frauke bei ein, zwei (oder drei, vier?) Gläsern Wein das ein oder andere Liedchen am Küchentisch. Von ihrer Stimme begeistert, habe ich sie noch am selben Abend verhaftet, mit zur ersten Probe zu kommen! Also haben wir zwei uns am folgenden Dienstag um 20 Uhr auf zu unserem ersten Chortreffen im katholischen Gemeindezentrum gemacht.

Von Anfang an habe ich mich dort pudelwohl gefühlt. Wir wurden herzlich aufgenommen: Ich der neue Basssänger und Frauke die neue Altstimme. Offiziell haben wir den Altersdurchschnitt zwar radikal gesenkt, im Herzen sind unsere Chorfreunde aber jung geblieben!

Beeindruckt hat mich auch immer wieder aufs Neue, wie unsere Chorleiterin Andrea mit Charme, Witz, Geduld und einer wunderbaren Stimme „den Laden zusammen hielt“ und mit uns tolle Lieder erarbeitete. Beim Einstudieren derselben war sie selbst ab und zu überrascht, denn wir schafften es nicht selten, aus einem vierstimmigen Lied auch mal ein acht- oder 16-stimmiges Lied zu machen! Aber mit Gelassenheit und Übung hat sie uns immer wieder auf die gewünschte Vierstimmigkeit zurückgeführt und am Ende standen grandios gelungene Auftritte!

Wie aus dem Bilderbuch war unsere Männerfraktion: In der letzten Reihe sitzend sorgten wir für dumme Sprüche und gute Laune! Und gerne blieb der Großteil von uns (und von den Damen) nach der Probe zu einer gemütlichen Runde Bier und Wein noch ein, zwei Stunden da. Die perfekte Zeit, um sich näher kennen zu lernen!
So hat sich der Litzelstetter Kirchenchor zu etwas ganz Besonderem für mich entwickelt. Denn mit regelmäßigem Üben und einer gigantischen Portion Spaß konnten wir am Ende nicht nur auf uns, sondern auch auf unser Dorf stolz sein. Ich bin total froh, dass ich durch den Chor eine Menge Leute im Dorf und meine „Heimat auf Zeit“ besser kennenlernen konnte. Ich muss gestehen, dass ich nach meinem letzten Treffen etwas geknickt nach Hause gegangen bin, weil meine Zeit im Chor jetzt aus beruflichen Gründen endet. Es war eine tolle Zeit und ich werde mich immer gern an meinen Litzelstetter Chor zurück erinnern. Und es ist wahr, wenn ich zum Abschied sage: Wo man singt, da lass dich nieder, denn böse Menschen haben keine Lieder!

Steffen Langer